Hallo Leute,
das war vielleicht ein Tag gestern... Er fing ganz entspannt an, ich bin mit meinen Mitbewohnern zum Frühstück aufgestanden, hab meine Sachen hergerichtet und bin dann an den PC. Um zwölf wollte ich losgehen, um meine Mitfreiwillige abzuholen, damit wir zusammen zur Arbeit fahren. Aber mitten im Skypen nach Hause bekomme ich eine SMS: Zugunglück in Flores.
Ich weiß nicht, wie viel ihr daheim in den Nachrichten davon mitbekommen habt. Auf jeden Fall sind gestern morgen zwei Züge und ein Bus kollidiert, und zwar am Bahnübergang direkt am Plaza Flores. Das ist mitten in unserem Stadtteil und auch der Bahnübergang kurz vor dem Bahnhof, an dem wir immer in den Zug steigen, um ins Projekt zu fahren.
online-Zeitungsartikel zu dem Unfall.
Wir sind dort vorbeigelaufen, mussten wir um einen Bus zu finden, mit dem wir stattdessen ins Projekt fahren können. Alles war voller Leute, Polizei und Fernsehbussen, außerdem war vieles abgesperrt. Das Thema war den ganzen Tag in den Nachrichten, selbst die Kinder im Projekt haben beim Teetrinken über nichts anderes geredet. Es macht betroffen, das alles so hautnah mitzubekommen, denn irgendjemand hat gestern geliebte Menschen verloren. Abgesehen davon muss auch einfach alles weitergehen, der Zug muss weiterfahren und die Buslinie ebenso, denn viele Menschen brauchen diese Verbindungen, um in die Arbeit oder nach Hause zu kommen.
Hier zeigt sich das, was mir schon viele Menschen gesagt haben, Deutsche wie Argentinier: Argentinien ist eines der Länder mit den meisten Unfällen.
Okay, genug zu diesem Thema. Es ist passiert, es ist schlimm, aber es muss hier weitergehen, und auch ich muss wieder Zug fahren. Ich sollte lieber erzählen, wie wir gestern stattdessen zum Projekt gekommen sind... mit dem Bus nämlich. Wir hatten bald eine Linie gefunden, die zu der Haltestelle fährt, wo wir sonst immer aussteigen und in den anderen Bus einsteigen, der ins barrio fährt. Also sind wir Bus gefahren. Stundenlang. Als wir endlich im Projekt waren, waren wir eineinhalb Stunden zu spät, obwohl wir zur gewohnten Zeit aufgebrochen sind. Bei dem Programm, zu dem wir noch pünktlich waren, haben wir dann noch mitgemacht. Gestern durfte ich dann meine in der Oberstufe erworbenen Basketballkenntnisse unter Beweis stellen :D Aber nicht lange, bald ging es für mich nur noch darum, die Kinder so ruhig zu halten beim Spielen, dass sie sich nicht gegenseitig umrennen und wegchecken. Aber es hat Spaß gemacht, und einen Tag mal nicht Seilschwingen bis einem der Arm abfällt tat auch ganz gut... ;)
Der Heimweg war dann zum Glück einfacher, der Zug fuhr wieder bis zwei Haltestellen vor Flores, und den restlichen Weg konnten wir in zwanzig Minuten mit dem Bus fahren. Als ich endlich daheim war, war es halb zehn, und ich bin praktisch nur noch in mein Bett gefallen. Das Reisen durch diese Stadt kann ganz schön ermüdend sein... aber okay, es wird ja nicht immer so sein wie heute, und sonst gewöhne ich mich ja auch schon an den Weg.
Gerade habe ich erfahren, dass unser Herd gar nicht kaputt ist, sondern dass wir noch nicht die Erlaubnis haben, mit Gas zu kochen. Dafür muss die Wohnung erst abgenommen werden. Also wird es doch noch mindestens eine Woche dauern, bis wir was kochen können. Das mag ich grade nicht so... :/
Na gut, ich fahr dann mal los ins Projekt, hoffentlich fährt der Zug wieder.
Alles Liebe, Rebekka
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen