Mittwoch, 30. November 2011

watchiturros und andere Ungeheuerlichkeiten

Guten Morgen :)

Grade aufgestanden, bin ich (fast) frisch und munter und motiviert, den Rest meiner Geschichte zu erzählen :)

Aus Mar del Plata bin ich Dienstagmorgen um sieben zurückgekommen. Ich bin nachts dort losgefahren, und um sieben war der Bus an meinem Terminal in Liniers. Dann musste ich noch heimfahren, da hab ich mich mit meinem Rucksack mehr wie ein Zombie als wie irgendwas anderes durch die Stadt und die Busse bewegt... aber Gott sei Dank kenne ich mich dort, von wo ich nach Hause fahren musste, sehr gut aus, daher war das kein Problem. Überhaupt kenne ich mich inzwischen in sehr vielen Ecken der Stadt sehr gut aus, weiß welcher Bus wohin fährt, welche Nummer oder welches Kartell ich nehmen muss um auch da anzukommen, wo ich hinwill... das cuadra-System erleichert natürlich die Orientierung ungemein, dadurch ist es einfach, Parallellen herzustellen und sich zu merken, wo man ist. Und natürlich gibt es auch immer noch den Guia T, der für jeden, der hier lebt, unverzichtbar ist. Es ist ein Stadtplan mit allen Bus-, Bahn- und Subtelinien, das erste Mittel wenn man rausfinden will, wie man irgendwo hinkommt. Es gibt ihn in klein für Capital und auch in groß für ganz Provincia. Einmal waren wir schon nachts ohne Guia T unterwegs, das war gar nicht so lustig... diesen guten Freund sollte man eben wirklich immer dabeihaben, wenn man wo hinfährt wo man sich nicht auskennt.

Soviel dazu. :) Ich war auf jeden Fall Dienstagmorgen wieder daheim, hab noch Carina getroffen die schon halb auf dem Weg zur Arbeit war (sie arbeitet oft Frühschicht) und hab mich erstmal nochmal in mein Bett geschmissen. Um drei hab ich mich dann auf den Weg in die Arbeit gemacht, es war sehr gut dass ich in dieser Woche am Dienstag erst um fünf arbeiten musste.

Diese Woche bestand im Kinderprogramm aus einer einzigen Sache: Üben. Üben für die Geburtstagsfeier von San Pablo, auf die sich alle schon eifrig vorbereiteten. Jede Gruppe sollte etwas präsentieren, oder vorführen, oder sich sonst irgendwie einbringen. Was ich sehr schade fand, dass wir in manos con colores nicht im ganzen Team besprochen haben, was wir machen werden, sondern auf einmal eine Idee da war, die wir dann umsetzen mussten. Mir persönlich haben diese Ideen nicht wirklich gut gefallen, aber am Ende haben wir alles so durchgeführt. Die kleinen Mädels haben eine Art Modenschau gemacht, die Mittleren und Großen teilweise getanzt und teilweise gesungen. Meine Arbeitswochen bestanden bis zum Fest nur aus Übung, und ich war meistens bei den Tänzern dabei. Diese Tänzer haben sich als Lied Tirate un Paso von den Watchiturros ausgesucht. Was auch sonst... Für alle, die im Moment genauso unter dem Phänomen Watchiturros leiden, tut es mir jetzt leid, aber ich muss mal kurz erklären, was es mit dieser Sache auf sich hat.
Die Watchiturros sind eine Gruppe, die momentan das Angesagteste vom Angesagten sind. Man könnte sie ein bisschen mit Tokio Hotel vergleichen, nicht was die Musik angeht, sondern mit dem, was sie auslösen. Die einen finden sie furchtbar und distanzieren sich ganz vehement davon, sie jemals angehört zu haben (das sind hier die Jugendlichen so ab 16 Jahren) und die anderen sind ermaßen vernarrt und begeistert, schneiden sich die Haare genau wie die Gruppe, tragen die gleichen Klamotten, üben den ganzen Tag die Tänze und können alle Texte auswendig (das wären dann die meisten unter 16 Jahren). Ich wusste gar nicht, dass die Watchiturros mehr Lieder als nur eines haben, weil ich höre immer nur eins (oder es waren verschiedene und sie hören sich einfach nur alle gleich an...). Naja auf jeden Fall hört man das hier jeden Tag an allen Ecken ständig und überall. Man kann ihnen nicht entkommen. Und ich habe zwei Wochen lang, jeden Tag vier oder fünfmal am Stück dieses Lied anhören müssen, weil die Kinder immer wieder den Tanz geübt haben. Es war nicht lustig, das kann ich euch sagen. Inzwischen kann ich den gesamten Text auswendig, singe automatisch mit wenn ich es höre, und frage mich was eigentlich passiert ist, weil ich es immer noch genauso bescheuert und schlecht finde wie am Anfang. Und trotzdem könnte ich sogar mittanzen wenn ich wollte, die Schritte hab ich alle drin...

Ja das war... interessant das Ganze. Ich war dann schon froh, wenn ein Kind weggelaufen ist oder irgendwas war, damit ich was tun und der Musik entkommen konnte... :D
Die großen Mädels haben ein Lied geübt, das ich sehr viel schöner finde und auch nicht mehr aus meinem Kopf bekomme, sobald ich es einmal angehört habe. klick mich zum Anhören.

Ja. Das waren die großen Themen dieser Woche. Es war alles ein bisschen wild und durcheinandern, die Gruppen waren die ganze Zeit gemischt weil jeder woanders mitgemacht hat, dadurch kam sehr viel Unruhe auf. Außerdem befinden wir uns am Ende des Jahres, bald hört die Schule auf, die Kinder haben fast ein Jahr Programm in San Pablo hinter sich, es wird heiß und alle wollen nur Sommerferien.... Da gibt es immer wieder ein ziemliches quilombo (Chaos ;) aber wir kriegen es meistens noch irgendwie hin.

Achja, noch eine Sache die in dieser Woche passiert ist, die ich ziemlich spannend fand. Weiß ja nicht ob euch das auch so geht, aber ich erzähl's einfach mal: Nach dem Wochenende in Mar del Plata war mein erstes Erinnerungs-Tagebuch voll. Drei Monate Argentinien, komprimiert in einem Block. Guckstu:

Ja. Soviel zu dieser Woche. Am Wochenende habe ich samstags nach der Arbeit zusammen mit anderen Freiwilligen das Projekt von Konrad, meinem Mitbewohner, besucht, weil das Projekt 25 Jahre alt wurde und ein Fest gefeiert wurde. Es war wirklich schön, noch ein anderen Umfeld, ein anderes Projekt, einen anderen Arbeitsplatz kennenzulernen. La Paloma heißt das Projekt, und es ist wirklich sehr schön, mit viel Platz und das Programm und die Organisation wirkten auf mich sehr gut. Das ist natürlich nur der Eindruck, den ich an einem besonderen Tag im Projekt bekommen habe, aber dieser erste Eindruck war sehr sehr positiv. :) Insgesamt kenne ich jetzt schon fünf verschiedene Projekte, und alle sind irgendwie anders toll. Das finde ich sehr spannend, auch mal zu sehen wie es woanders läuft. Aber wie beeindruckt und begeistert ich in dem Moment auch immer bin, am Ende wird mir immer wieder klar dass ich das allerbeste Projekt von allen habe! ;)

Das Fest in La Paloma war auf jeden Fall sehr schön, als wir ankamen war gerade ein Clown dabei, die Kinder zu unterhalten, und das Essen war fast fertig. Es gab dann verschiedene kurze Ansprachen, einen Rap der Jugendlichen und eine Murga (klick). Leider hat es auf halber Strecke total angefangen zu schütten, das Gewitter hatte sich schon den ganzen Tag aufgebaut, und eigentlich waren wir alle froh, dass die schwüle Hitze sich ein wenig abgekühlt hat, aber für das Fest war es natürlich trotzdem sehr blöd. Die Murga wurde dann einfach im Regen getanzt, und die haben so Stimmung gemacht, dass das Wetter eigentlich schon wieder egal war :)
Bilder finde ich leider grade keine, vielleicht hat da nur Konrad mit seiner Kamera welche gemacht... werde ich mal rausfinden, vielleicht kann ich dann noch welche hochladen!

Dienstag, 29. November 2011

Mar del Plata

Der letzte Eintrag endet mit dem Wochenende vor gut drei Wochen. Die Woche danach ist wieder verflogen als wäre es nur ein Tag gewesen. Wir hatten angenfangen, mit den Kindern für den 26. November zu proben, an dem Casa San Pablo Geburtstag feiert und wir ein Fest gemacht haben. Dadurch war die Aktivität verplant, alle Gruppen gemischt, und es gab mit den Kindern relativ wenige Probleme. Im Gegenteil habe ich in dieser Woche sogar zu einigen meiner 'Großen' einen Zugang gefunden und meine Autorität ein bisschen gefestigt.
Am Samstag, den 12. November, habe ich mich dann morgens um sieben aufgemacht nach Mar del Plata. Mar del Plata ist eine Stadt fünf Stunden südlich von Buenos Aires, die DER Ferienort schlechthin für porteños (Einwohner von BsAs) ist. Am Meer gelegen, eine Großstadt aber trotzdem nicht so groß wie die Hauptstadt, mit einem schönen Stadtkern und auch vielen Kulturangeboten. Ich habe dort zwei andere Freiwillige besucht, die in Mar del Plata leben und arbeiten. Es war sehr sehr schön, mal rauszukommen, was anderes zu sehen, mit anderen Leuten zu reden, Erfahrungen mit einem Freiwilligen auszutauschen, den ich nicht oft sehe. Ich habe viel geredet an diesem Wochenende, und sonst habe ich mich einfach nur entspannt. Am Samstag kam ich mittags an, nach meiner ersten Reise im Autobus in Argentinien! :) War sehr angenehm, natürlich klimatisiert aber nicht zu kalt, mit viel Platz für mich, meine Beine und meine Sachen. Mein Rucksack hat auch seine erste (von mir durchgeführte) Bewährungsprobe bestanden. Nur wenn ich länger verreisen will sollte ich ihn dann doch besser ein bisschen früher, sorgfältiger und in wacherem Zustand packen, dann geht auch mehr rein ;)

Ich kam also Samstagmittag an, wurde vom Terminal abgeholt, habe dann meine Sachen in der Wohnung abgeladen und danach sind wir sofort zum Strand gefahren. Haben den Rest des Nachmittags dort verbracht, waren dann abends im Kino und Eis essen. An dem Wochenende war gerade Filmfestival in Mar del Plata, deshalb hab es viele Filme zu günstigen Preisen. Leider waren auch viele Leute da, so dass für die drei Filme, die wir sehen wollten, keine Karten mehr da waren. Weil wir aber unbedingt ins Kino wollten (und für $8, sprich mit dem Wechselkurs von heute 1,40 € auch der Film eigentlich egal war) sind wir dann einfach in den Film, für den noch Karten da waren. War am Ende eine Art Dokumentation in einzelnen Kurzgeschichten über die Januar-Revolution in Ägypten in diesem Jahr. Sehr interessant, wir haben am Ende nicht bereut dass wir reingegangen sind ;)

Den ganzen Sonntag über haben wir dann am Strand verbracht, und es war einfach nur herrlich, rumliegen, ausspannen, wenn's zu heiß wurde kurz ins Meer hüpfen... Dieses Wochenende war das erste, an dem es so richtig warm war und die ganze Zeit die Sonne schien. Da habe ich ein Riesenglück gehabt! Habe an dem Wochenende fast ein Kilo Eis gegessen (nein nicht auf einmal, aber man kann hier ja Eis in cuartos, also Viertelkilos, kaufen, und das mehrmals... ergibt einiges ;) und mich so dermaßen wie im Urlaub gefühlt... ich hatte mich total aus meinem Leben ausgeklinkt, alles mal in Buenos Aires gelassen (naja fast alles...) und das hat mir gut getan. Am Montag war ich dann mit in den Projekten, da ich ja noch frei hatte wie jeden Montag aber die anderen beiden nicht. Das war auch sehr spannend, andere Projekte und andere Arbeit zu sehen, und es hat mir gezeigt, wie toll viele Sachen sind, die hier auf die Beine gestellt werden und die wir Freiwilligen mit unserer Arbeit unterstützen.
An dieser Stelle nochmal danke an Lilly für die tolle Zeit, ich komme bestimmt bald wieder!

Jetzt noch ein paar Eindrücke:
Rebekka vor der Abfahrt

Busterminal

Ciao Buenos Aires!

Unendliche Weiten... es war so angenehm, mal keine Häuser und Straßen und Autos zu sehen. Erst als ich dieses weite Land durch das Fenster gesehen habe, habe ich gemerkt wie sehr ich den Anblick vermisst habe. Denn nach Mar del Plata fährt man erstmal fünf Stunden durchs Nichts.

Der Strand :)

Pures Glück + Entspannung

die wilde See ;)

... und der wunderschöne Himmel.

Sommerfeeling im November. Es ist ja auch fast Sommer...

Sandengel.





... und das Stück Strand, das ich mir mit nach Hause genommen habe :)




Ein sehr schönes Wochenende und eine tolle Zeit!
Das war's für heute von mir, morgen ist ein neuer Tag und sehr bald geht es weiter mit den restlichen zwei Wochen, die in der Berichterstattung noch fehlen!
Buenas noches! :)

Erlösung

Heute regnet es. Gott sei Dank regnet es! Wir warten seit vier Tagen darauf, solange (oder noch länger) ist es auch schon gemeldet. Merke: Der Wetterbereicht in Argentinien ist genauso unzuverlässig wie in Deutschland! Wobei mich das nicht so tangiert, ich bekomme das nur hin und wieder über irgendwen anders mit was gemeldet ist, da ich in meinem Alltag weder Fernseh schaue noch Radio höre. Zum Radio hören habe ich keine Zeit, das hätten wir sogar in der Wohnung. Aber wenn ich doch mal höre finde ich dann auch selten einen richtigen Sender... Tja und mit Fernsehen ist ja auch eh nichts.
Soviel dazu. Auf jeden Fall regnet es heute endlich. Und es tut SO gut. Die letzten Tage waren unerträglich warm, ich habe noch nie so eine allgegenwärtige allumfassende Hitze erlebt. Jetzt kann ich auch verstehen, warum Südamerikaner sich mindestens zweimal am Tag duschen, das mache ich auch schon. Es ist auch einfach notwendig, sonst hält man es nicht aus. Ich freue mich schon auf den Sommer, wobei ich nicht weiß wie sich das Ganze noch steigern kann... aber ich bin sicher dass mit das Wetter demonstrieren wird wie das noch gesteigert werden kann... ;)
Während ihr wahrscheinlich in Deutschland friert, mit Jacken und Mützen rumlauft, schwitze ich in allem was ich anhabe, kann nachts nicht schlafen und bin inzwischen schon so braun geworden, wie ich es in Deutschland noch nie war. Wie ich es eigentlich noch nie in meinem Leben war... Die Fahrt in die Arbeit macht so noch mehr Spaß, am liebsten mag ich das schmatzende Geräusch, wenn man aus dem Bussitz aufsteht und das Top und die Hose sich wieder vom Sitz lösen... sehr angenehmes Gefühl :D

So richtig heiß ist es aber auch erst seit einer Woche ungefähr. Wir schlafen mit Ventilator und reißen abends alle Fenster auf, so lässt es sich ein bisschen aushalten. Naja das kann ich grade gut sagen, wo die kühle Nach-Gewitter-Regen-Luft ins Zimmer strömt und man endlich mal wieder durchatmen kann. Aber ich will mich nicht beschweren, hier ist das eben so, und es gefällt mir ja eigentlich auch :) So kann man auch nachts um elf noch mit Top durch die laue Nachtluft wandern, und außerdem hat man immer ein Gesprächsthema, denn die Argentinier reden mindestens genauso viel übers Wetter wie die Deutschen ;)
Soweit mal zur aktuellen Situation. Heute habe ich Deutsch gemacht, gekocht und Kinderprogramm gehabt. Die Kinder haben mich ein bisschen genervt, aber es war auszuhalten. In der Küche war es eigentlich nicht auszuhalten, ich weiß schon warum im Sommer dort nicht gekocht wird. Wir haben uns dann rausgesetzt als alles im Topf vor sich hin kochte, und dann war es okay. Ich trinke einfach Unmengen von Wasser (noch mehr als vorher) und stelle mich in jeden Luftzug der auftaucht. Und ab und zu Wasser ins Gesicht und über die Haare tut auch ganz gut :)

Das war's zum Aktuellen. Jetzt mal zu dem, was ihr 'verpasst' habt, während ich zu beschäftigt war um Blog zu schreiben. ;)

22 Tage ohne.

22 Tage ohne. Klingt ganz schön viel. 22 Tage ohne Schokolade. 22 Tage ohne Regen. 22 Tage ohne Pause. 22 Tage ohne Rebekka. 22 Tage ohne Blog.
Jaja. Die Zeit vergeht so dermaßen sauschnell, ich hab manchmal echt keine Ahnung wie ich so notwendige Sachen wie Schlafen, Duschen, Wäsche waschen, Essen oder Aufräumen noch in meinem Tag unterbringen soll. Da kommen E-Mails oder Blog schreiben natürlich erst recht zu kurz.

Aber ab heute wird alles anders. Mal wieder ;) Mein Rundbrief ist fertig und abgeschickt, es ist offiziell Adventszeit, bald ist mein vierter Monat hier vorbei. Und ihr habt schon lange nichts von mir gehört. Deshalb ist heute der Tag dafür, das zu ändern!
Danke für eure Geduld bis jetzt (ist ja nicht so dass ihr viel dagegen tun könntet wenn ich nichts schreibe :D) und viel Spaß mit einem weiteren Stück meines Lebens!

Dienstag, 8. November 2011

Schreibblockade

Wie der Titel schon sagt: Ich habe eine Schreibblockade.
Wenn das hier eine Erlebniserzählung wäre hätte ich jetzt schon den Spannungsbogen ruiniert, aber eine spannende fantasievolle Geschichte zu schreiben wurde mir zum Glück schon in der sechsten Klasse verboten und ausgetrieben. Daher schreibe ich nur noch Sachen bei denen alle schon vorher wissen um was es gehen wird. So. :D

Ja. Irgendwie habe ich keine Ruhe, keine Muse, keine Zeit und keine Lust zu schreiben. Ein sehr ungünstiger Zeitpunkt, denn es ist Zeit meinen ersten Rundbrief zu schreiben. Aber vor der Datei mit dem Namen '1. Rundbrief' saß ich jetzt schon viele Male und habe auf den leeren Bildschirm gestarrt, ohne am Ende ein Ergebnis zu haben. Es passiert einfach zu viel Unbeschreibliches hier, und im Moment fällt es mir schwer, alles in Worte zu fassen.

Heute ist ein sehr guter Tag. Ich habe die beste Laune und habe heute nur tolle Sachen erlebt. Zuerst habe ich mit einem Freund von mir Deutsch gelernt, denn er wird im Februar für ein Jahr nach Deutschland gehen und hat mich um Hilfe beim Sprachelernen gebeten. Da sag ich nicht Nein, so verbringe ich noch mehr Zeit im barrio, rede spanisch, sehe Leute, und außerdem ist es auch sehr spannend, die deutsche Sprache aus der Sicht eines Nicht-Muttersprachlers zu betrachten.
Danach war manos con colores. Alle zwei Wochen arbeite ich ja am Dienstag erst ab fünf, weil da Katha kocht. Und ich koche die andere Woche. Die Regelung ist sehr gut, weil wir beide in der Küche zum Helfen einfach zu viele sind. Ich mache auch so, wenn nur ich als Helferin noch da bin, eigentlich die meiste Zeit nur Mate :D Und außerdem habe ich so jeden zweiten Dienstag den halben Tag für mich und kann irgendwas anderes machen oder erledigen. Auf jeden Fall hatte ich deshalb heute nur Kinderprogramm. Und es war sehr schön :) Erst haben wir draußen gespielt, und ich musste mal wieder eine Stunde lang Seilschwingen... aber heute hat es mir gar nicht so viel ausgemacht. Außerdem stand ich im Schatten und musste mich nicht viel bewegen. Es war nämlich heute SO warm, und nicht irgendwie schön, sondern hässlich schwül-warm. Inzwischen habe ich noch mehr Angst davor wie ich den Sommer überstehen soll... aber gut, hat noch jeder Voluntär hier überstanden... ;) Und es ist auch schön, aus dem Haus zu gehen und zu wissen, dass es die ganze Zeit über warm sein wird, dann muss man nicht immer irgendwelche Jacken mitschleppen oder sowas in der Art.
Seit dem Seilschwingen habe ich auch eines der Lieder im Kopf. Es geht so:

a la abcerario empieza así (das ABC beginnt so):
A B C D und so weiter. Man sagt so lange das ABC bis das Kind beim Springen 'verliert' also sich verheddert oder nicht hoch genug springt. Dann sucht man einen Namen mit diesem Buchstaben, das ist die Person die das Kind heiraten wird. Dann geht's weiter:
[Name] y [Name] se van a casar. (werden heiraten)
abajo un puente se van a besar. (unter einer Brücke werden sie sich küssen)
que sí. que no. que sí. que no. (ja. oder nein.) Und immer so weiter solange bis das Kinder verliert.
Wenn es bei 'que no' verliert, ist das Spiel vorbei und das nächste Kind dran. Bei 'que sí' geht es weiter:
[ein wort das ich vergessen habe] casada soltera enamorada con hijo sin hijo no puede vivir (verheiratet, solo, verliebt, mit Kindern ohne Kinder kann man nicht leben)
con uno, con dos, ... Es wird solange Kinder gezählt die man haben wird bis das springende Kind verliert. Und danach ist das Spiel dann auch wirklich aus. ;)

Ja das ist in meinem Kopf. Und geht nicht mehr raus :)
Ja und weiter bei der Aktivität. Sind wir dann reingegangen. Wir haben letzte Woche Gruppen getauscht, ich bin jetzt nicht mehr bei den ganz Kleinen sondern bei den Großen (10-12 Jahre). Mit denen gab es immer wieder Schwierigkeiten, sie waren laut und wollten das Geplante nicht machen, haben auch auf mich sehr empfindlich reagiert, im Sinne dass sie nicht normal geredet haben, immer nur auf blöd gemacht haben... solche Sachen. Aber heute und auch schon am Freitag war das alles gar nicht so. Sie waren sehr lieb und wollten dass ich mitspiele und haben sich mit mir unterhalten und waren einfach... cool. :) Okay man muss fairerweise sagen dass die 'Schlimmsten' heute nicht da waren, damit will ich sagen diejenigen die meistens Unruhe in die Gruppe bringen. Trotzdem hab ich mich gefreut :) Mal sehen wie das weitergeht, das ist jetzt wieder eine neue spannende Aufgabe bei der ich nicht weiß wie es rausgehen wird.

Ja. Schreibblockade gewaltsam ein Stückchen aufgebrochen, Mission erfüllt ;)
Noch kurz zu meiner letzten Woche, ich war leider ein paar Tage krank und dadurch wenig aktiv. Hat mich auch etwas frustriert, aber okay kann man nicht ändern. Aber die Kinder waren lieb und Arbeit hat Spaß gemacht. Am Samstagabend waren Katha und ich im barrio zu einer kleinen Live-Jamsession mit Schlagzeug und Gitarren und einfach gemütlichem Zusammensitzen eingeladen. Der Abend wurde die ganze Nacht und es war sehr toll, so viel zu reden und Leute kennenzulernen... achja. :)
Die Hitze kommt, und in unserer Wohnung kann man bald eine Sauna aufmachen. Mal sehen wie sich diese Sache weiter entwickelt.

Nos vemos al rato!

Mittwoch, 2. November 2011

und die kleinen Dinge.

Guten Morgen meine Lieben,

es ist kurz nach elf, ich habe einen entspannten Morgen verbracht, habe gelesen und auf dem Balkon in der Sonne gefrühstückt, und bevor ich mich jetzt dann auf den Weg in die Arbeit mache, gibt es da noch eine Sache, die ich gerne mit euch teilen würde.
Gestern habe ich im Kinderprogramm etwas erlebt, was ganz und gar nicht alltäglich war. Letzten Donnerstag habe ich in der Besprechung den Vorschlag eingebracht, in meiner Gruppe mit den Kleinen mit Kartoffelstempeln zu arbeiten. Meine Mama hat das früher ganz oft mit uns gemacht, für alle die das tatsächlich nicht kennen (ihr Armen ;) eine kurze Erklärung: Man halbiert Kartoffeln und schnitzt dann Figuren oder Bilder rein, was einem gerade einfällt. Das Ganze dann in Farbe getunkt und schon kann man ein Stempelbild machen. Wir haben damals (als ich noch ein kleines Mädchen war... ;D) mit dieser Technik ganz viele Tischdecken und ähnliches bestempelt. :)
Ich dachte mir das wäre mal was anderes. Der Vorschlag wurde auch angenommen, ich habe am Montag fleißig Stempel gemacht, was besser funktioniert hat als ich das angenommen hatte... habe mich auch nur fast richtig geschnitten, und das auch nur ein Mal :D Ich hatte dann ein Herz, eine Blume, eine Sonne, eine Wolke, einen Fisch, einen Jungen und ein Mädchen, einen Stern und ein Kreuz. Den ganzen Tag gestern war ich gespannt, wie die Aktion laufen würde, ob es den Mädels gefallen oder sie doch die Stempel beim ersten Versuch zerstören würden. Als ich ruhig angefangen habe, zu erklären was wir vorhaben, ist etwas passiert, womit ich niemals gerechnet hätte: Die Kinder wussten nicht, was Stempel sind.
Ich war erstmal ziemlich baff, nie im Leben hätte ich mir vorgestellt, dass die Kinder schlicht und einfach nicht wissen, was ein Stempel ist und was man damit machen kann. Da zeigt sich mal wieder, dass ich meine deutsche Sicht auf die Dinge und meine deutschen Ansprüche mitgebracht habe, denn mit Kindern in Deutschland wäre mir das sicher nicht passiert. Im Nachhinein kam ich mir ein bisschen blöd vor, dass ich an sowas nicht gedacht hatte, denn eigentlich ist es logisch: Woher sollen die Kinder auch Stempel kennen?
Gut, die Situation war dann anders als erwartet, aber dann habe ich eben erstmal erklärt, was ein Stempel ist und was man damit macht. Als sie einmal angefangen hatten, waren die Mädels auch echt begeistert und wollten immer mehr und mehr stempeln. Einige gingen etwas grob vor, weshalb zum Beispiel die Strahlen der Sonne sehr bald sehr zermatscht waren, aber dafür dass sie das erste Mal damit gearbeitet haben, ist es sehr gut gelaufen. Ich hab mich wirklich gefreut, dass ich den Kindern etwas neues zeigen konnte und sie dann auch Spaß daran hatten, das auszuprobieren! :)
Spannend wurde es nochmal, als die medianos, also die mittlere Gruppe (7-10 Jahre) gesehen hatten, was die Kleinen da machen, und wissen wollten, was das ist und ob sie das auch probieren dürfen. Also habe ich einem Kind nach dem anderen die Sache mit den Stempeln erklärt. Sie waren hellauf begeistert und wollten das selbst ausprobieren, da musste ich leider nein sagen weil sie ja selbst eine Aktivität gemacht haben. Ich habe dann stattdessen gesagt, dass sie ihre Gruppenleiter fragen sollen, ob sie auch mal stempeln können.

Ja, das war wirklich eine überraschende Wendung mit der ich nicht gerechnet habe. Aber es war sehr schön, die Begeisterung der Kinder zu sehen, und das mit einer Idee, die ich vorher noch für ziemlich normal und einfach gehalten habe. Es war eine kleine Sache, die mir Freude gemacht hat, die mir aber auch gezeigt hat, dass ich noch vorsichtiger sein muss mit meinen Ansichten und Erwartungen.

Na dann, ich werde mich mal fertigmachen und losgehen, meine Mitfreiwillige mag es nicht so wenn ich Zeit zu argentinisch auslege und zu spät komme, wenn wir uns zum gemeinsamen Fahren verabredet haben ;) (Katha, falls du das liest, ich schreibe es nur damit ich mich selbst noch mehr ermahne, pünktlicher zu sein!)
Nos vemos en un rato, Rebekka

Freitag, 28. Oktober 2011

Alltag

Ja es ist wahr. Ich habe hier tatsächlich einen Alltag. Das kommt mir ziemlich komisch vor, denn ich habe hier quasi bei Null angefangen, mir ein Leben aufzubauen, und inzwischen bin ich schon so darin eingerichtet, dass ich von Alltag rede. Natürlich sind wenige Tage alltäglich, durch all die kleinen Sachen die jeden Tag mit den Kindern in der Arbeit, auf der Fahrt oder hier in Flores passieren. Trotzdem bestreite ich fünf Tage in der Woche meinen Arbeitsalltag. Manchmal mit mehr Lust, manchmal mit weniger... aber mindestens die Zeit im Projekt ist jeden Tag etwas besonderes, auch wenn ich vorher gar keine Lust hatte, überhaupt loszufahren.


Und damit ihr auch wisst, was ich jeden Tag mache: Hier kommt er. Mein Alltag.
Vier Tage die Woche fange ich um zwei an zu arbeiten. Am Donnerstag eine Stunde später, weil dir da kein Kinderprogramm, sondern den Planungstag dafür haben. Exemplarisch fange ich jetzt mit einem Mittwoch an, der ganz normal ist.
Mittwochs muss ich gegen halb eins in die Arbeit losfahren. Um viertel nach zwölf das Haus zu verlassen ist auf jeden Fall ratsam, wenn man einigermaßen pünktlich kommen will ;) Ich stehe meistens so um neun auf (manchmal auch später, hängt von allen möglichen Faktoren ab), dusche und frühstücke und schreibe E-Mails. Manchmal erledige ich auch noch einige Sachen, Lavadero (Wäscherei), Geld holen, Einkaufen... was es da eben so gibt. Ungefähr um 12.15 Uhr verlasse ich dann das Haus, mit Wasser und einem Brot im Gepäck und der täglichen Checkliste: Handy Geld Schlüssel. Wenn ich diese drei Dinge habe kann ich immer beruhigt aus dem Haus gehen, auch wenn ich alles andere was ich unbedingt mitnehmen wollte vergessen hätte :D
Dann laufe ich 7 oder 8 cuadras (hab sie nie gezählt) Richtung der großen Parallelstraße zu meiner Straße, bis zum Plaza Flores, wo die Zugstation ist. Vorher gehe ich bei der zweiten Freiwilligenwohnung vorbei und hole Katha ab. Dann laufen wir zur Estación. Dort angekommen, muss ich erstmal bei der boletería ein Ticket kaufen (1,10 Pesos kostet die Fahrt, aber oft kriegt man mehr zurück weil sie kein Kleingeld haben; übrigens wieder eine Gelegenheit bei der man lügt, wenn man gefragt wird, ob man monedas, also Kleingeld, hätte!) Manchmal verpasst man in der Zeit, in der man für das Ticket ansteht, einen Zug, aber es ist eigentlich egal, denn der nächste kommt eh bald. Okay manchmal auch nicht so bald... aber das kann man nie vorher wissen. Also, mit seinem Ticket geht man dann durch die Drehkreuze, wobei sie meistens nicht funktionieren und somit ein Ticket, um durchzukommen, nicht wirklich nötig wäre. "No funciona - pasa con boleto" steht dann manchmal dran: "Funktioniert nicht - mit Ticket einfach durchlaufen" ist hierfür die nicht-autorisierte Übersetzung ;)
Dann warten wir auf den Zug, und wenn er kommt achten wir darauf, dass wir nicht bei einem dunkelblauen Waggon einsteigen, der keine Sitze hat. Dort sammeln sich Fußballfans, Raucher, diejenigen die im Zug Alkohol trinken wollen, aber auch noch einige richtig gruslige Gestalten. Fast nur Männer übrigens. Naja auf jeden Fall ist es nicht der Waggon, in den man als blonde ausländische Frau einsteigen will.

Dazu noch ein kleiner Fakt am Rande: Ich bin hier genauso eine rubia, also eine Blonde, wie alle anderen Europäerinnen, die auch nur annähernd hellbraune Haare haben. Ich mache inzwischen schon immer den Test und frage argentinische Männer, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Es steht ungefähr 45:1 für blond... wenn man alle Busfahrer mitzählt ;)

Gut aber weiter im Text. Wir fahren Zug, ungefähr 20 Minuten lang. Kommt auf den Zug und auf den Tag an, manchmal länger oder auch mal kürzer. Auf er Hinfahrt stehen wir meistens, weil zu dieser Zeit viele Leute unterwegs sind. Dabei gilt: Rucksack oder Tasche vorne tragen und sich in den Gang stellen, denn wenn dann jemand aufsteht bekommt man einen Platz. Wir fahren von flores bis nach Morón, das ist ein relativ großer Bahnhof wo viele Busse in die verschiedensten Richtungen abfahren. Wir müssen den Bahnübergang überqueren und noch ein cuadra laufen und sind an der parada für unseren Bus. Manchmal (ganz selten natürlich) kaufen wir auf dem Weg noch Kekse in einer panaderia, in der sie uns inzwischen schon kennen und wie alte Freunde begrüßen :D Ist aber auch gefährlich, wenn man es eilig hat, denn wenn nicht viel los ist verwickeln sie einen schnell in ein Gespräch und dann kommt man so schnell nicht weg...
Bevor wir uns in die Schlange für den Bus stellen, kaufen wir ein Ticket bei einem der jungen Männer in den blauen Uniformen, die dort vor den Bussen Tickets verkaufen, damit es beim Einsteigen nicht zu lange dauert wenn jeder erst am Automaten im Bus bezahlen muss. Außerdem spart man so monedas, denn bei den Ticketverkäufern kann man mit einem 2-Peso-Schein bezahlen. Wenn wir kommen sind fast immer die gleichen da, und sie kennen uns und fragen gar nicht mehr, welchen Tarif wir bezahlen. Irgendwann muss ich ihn mal auf 2 Peso draufdrücken lassen und dann eine andere Summe sagen... aber nein das wäre böse :D Also 2 Peso kostet unsere Fahrt.
Dann heißt es sich anstellen. Dort sind immer recht lange Schlangen, aber nicht alle die in einer Schlange stehen wollen in den selben Bus, daher entspannt sich das meist recht schnell. Im Bus kann man eigentlich immer sitzen, mir ist es bis jetzt erst einmal passiert dass ich die Hälfte der Fahrt stehen musste. Dann heißt es sich entspannen, denn die Busfahrt dauert fast eine dreiviertel Stunde. Wir gurken in den verschlungensten Routen durch wohlhabende Vororte, bis wir weiter raus in die ärmeren barrios kommen, und je nachdem ob es der Busfahrer eilig hat oder nicht wackelt es mehr oder weniger. Wenn wir über eine Brücke fahren, kommen wir ins barrio, und das ist das Zeichen, sich langsam zu sammeln, aufzuwachen, sein Buch oder seine Musik wegzupacken oder ähnliches. Am Anfang hatte ich immer Angst, zu spät auszusteigen und Gott weiß wo zu landen, aber inzwischen ist das alles kein großes Ding mehr. Naja, ich mach das ja auch jeden Tag fünf Tage die Woche...
Von der parada laufen wir noch ein paar cuadras bis zum Projekt (wobei cuadra fast falsch ist, da das barrio nicht offiziell gebaut wurde existiert auch kein richtiges cuadra-System). Krass, dass allein der Weg in die Arbeit so viel Platz zum Beschreiben einnimmt o.O Aber er ist nunmal ein wichtiger Teil meines Alltags, ob ich das nun mag oder nicht.

Im Projekt angekommen, werden erstmal alle begrüßt, die man auch nur annähernd kennt (oder auch nicht kennt, eigentlich). Ich gehe dann in die Küche, wo ich mittwochs helfe, und ziehe meine Schürze un meine Kopfbedeckung an (nein, davon gibt es kein Bild, und ich bin mir auch nicht sicher ob da im Laufe des Jahres noch eines entstehen wird...). Also natürlich erst nachdem Katha und ich ein Wettrennen zum Klo veranstaltet haben, nach zwei Stunden Weg im ruckeligen Bus ist es meist dringend ;D Katha macht mittwochs apoyo escolar, Nachhilfe, da helfe ich freitags. Aber egal, wir sind beim Mittwoch. In der Küche schäle ich (fast immer) zuerst Zwiebeln und Knoblauch, dann Karotten und Kartoffeln. Dann schneide ich das ganze Zeug, das ich vorher geschält habe. Im Großen und Ganzen ist das Kochen nicht wirklich spannend, und inzwischen kenne ich auch schon alle Gerichte die gekocht werden. Die Frauen tratschen, an manchen Tagen verstehe ich mehr und an manchen weniger. Wenn alles im Topf ist und kochen muss, trinken wir Mate und tratschen noch mehr. Also ich rede eher weniger sondern serviere leise den Mate ;)

Um fünf geht dann manos con colores los, das tägliche Kinderprogramm. Von fünf bis sechs spielen wir draußen, mit Bällen und Seilen oder was den Kindern noch so einfällt. An guten Tagen spielen wir 21 auf den Basketballkorb oder Fangen oder ähnliches, an schlechten Tagen muss ich eine Stunde lang Seilschwingen weil die Mädels nicht genug davon kriegen -.- Nach dem Jahr werde ich entweder ein Seiltrauma oder einen Tennisarm haben. Oft renne ich auch Kindern hinterher, die wo sind wo sie nicht sein sollten, oder schlichte irgendwelche Konflikte. Um sechs geht's rein, alle Kinder müssen Hände waschen und sich dann an den Tisch setzen. Das geht manchmal recht reibungslos, wenn alle ihren verrückten Tag haben aber auch mal nicht. Dann kriegt jeder einen Becher, und es wird Tee und leche (Kakao) ausgeschenkt. Außerdem kriegen die Kinder Kekse, manchmal auch tortas fritas oder sowas. Die Sache nennt sich merienda und dauert immer so mas o menos 20 Minuten. Danach teilt sich die Gruppe, in grandes (10-12 Jahre), medianos (7-10 Jahre) und pequeñas (4-6 Jahre) und in jeder kleineren Gruppe wird was gebastelt oder eine andere Aktivität durchgeführt. Ich arbeite seit fast zwei Monaten mit den Kleinsten, aber nächste Woche werden Gruppen getauscht. Mal sehen wo ich dann lande.
Um sieben geht die Abholerei los, und bis alle Kinder weg sind dauert es meistens bis viertel nach sieben oder noch länger. Wenn nur noch wenige Kinder da sind und aufs Abholen warten, räumen wir auf, schließen Schränke und Zimmer ab und machen uns fertig zum Aufbruch (das heißt: Klo, Jacken anziehen, Sachen zusammensammeln). Dann werden Katha und ich von zwei unserer Kollegen/Freunde zur parada gebracht, damit wir nicht alleine abends durchs barrio laufen. Dieser Weg ist oft der lustigste Teil des Tages, weil es ruhig genug ist, dass man einfach mal ein vernünftiges Gespräch führen kann, denn während der Arbeit ist viel zu viel Trubel als dass man ernsthaft viel spanisch reden könnte. Also man sagt halt immer nur das Gleiche, oder es dreht sich immer nur um das gleiche Thema. Deshalb ist dieser Weg zur parada gut zum Reden geeignet. Manchmal warten auch noch mehr Leute auf uns, wenn wir aus dem Projekt kommen, und begleiten uns mit zur parada... ich hab das Gefühl das wird immer mehr ein Event :D Alle wissen, abends gegen halb acht werden die Deutschen an die Hand genommen und zur Haltestelle geführt! :D
Dann heißt es warten, manchmal kommt der Bus ganz schnell, manchmal dauert es auch ziemlich lange. Dabei gilt die Regel: Wenn es viel zu reden gäbe und ich nicht nach Hause fahren will, kommt der Bus bestimmt fast sofort, und wenn ich unbedingt schnell nach Hause will, stehen wir gut 20 Minuten dort. Ist doof, aber ich mache die Regeln in dieser Stadt nicht... (Grundsätzlich kommt auch der Bus, den du brauchst wenn du es eilig hast, ewig nicht, aber wenn die richtige Nummer dann kommt dann mindestens gleich zwei Busse hintereinander!)
Auch hier können wir uns meistens gleich hinsetzen, aber wenn nicht dauert es nur bis zur Brücke bis fast alle Plätze frei sind. So spät fährt fast niemand mehr aus dem barrio raus. Die Fahrt ist meistens recht ruhig, einer schläft oder hört Musik, der andere macht irgendwas... am Anfang reden wir meistens über den Tag und die Arbeit, aber das Thema ist irgendwann erschöpft.
Rechtzeitig aussteigen tun wir jetzt immer, dann laufen wir zum Bahnhof. Dort heißt es wieder boleto kaufen und auf den Zug warten. An diesem Bahnhof kann man fast 10 Minuten vorher sehen, dass der Zug kommt, weil er immer angeschlichen kommt mit gleißenden Scheinwerfern. Warum er da so langsam fährt habe ich noch nicht rausgefunden, vielleicht ist Zugführerwechsel oder sowas... abends kann man im Zug auch meistens sitzen, zumindest nach ein paar Haltestellen. Ich sitze ziemlich viel an so einem Tag, und es tut meinem Rücken nicht unbedingt gut, aber Stehenbleiben ist noch schlimmer, weil es ein ständiger Kraftakt ist, einigermaßen ruhig stehen zu bleiben.
Wenn wir in Flores ankommen, ist es schon dunkel. Dann noch heimlaufen, und dann ist der Tag fast vorbei. Ich komme immer so um neun rum in meiner Wohnung an. Manchmal haben meine Mitbewohner dann gekocht, manchmal suche ich mir noch was zu essen zusammen. Dann mache ich meistens meinen PC nochmal an, oder dusche, oder bereite was für die Arbeit vor. Und dann heißt es schlafen.

Ja. Das war ein ziemlich normaler Tag. Hier noch mein Stundenplan:
Montag: frei
Dienstag: alle zwei Wochen ab 14.00 Uhr cocina, sonst ab 17.00 Uhr manos con colores
Mittwoch: 14.00 Uhr cocina + 17.00 Uhr manos
Donnerstag: 15.00 Uhr reunión zur Planung für manos con colores, 17.00 Uhr manos mit den Jugendlichen (anders als das Kinderprogramm den Rest der Woche)
Freitag: 14.00 Uhr apoyo escolar + 17.00 Uhr manos; an diesem Tag fahre ich alleine weil Katha frei hat
Samstag: 10.00 Uhr Anwesenheit (oder ein bisschen später ;), ab 11.00 Uhr encuentro de pibes = christliches Kinderprogramm, 13.00 Uhr Planung für nächsten Samstag, 17.00 Uhr Jugendgruppe


So das war so ziemlich alles aus meiner Arbeitswoche. Ist ganz schön viel geworden, aber ich wollte was zu tun haben, ich hab mich alleine gefühlt. Konrad ist in Uruguay, Carina ist unterwegs, und als ich heimkam war niemand da. Daher hab ich erstmal Pfannkuchen gemacht (viel mehr war auch nicht mehr da) und mir dann eine Beschäftigung gesucht. Das Radio läuft auch die ganze Zeit, so kann ich mir einbilden einen Gesprächspartner zu haben :D Nein so schlimm ist es nicht, und ich sollte jetzt eh schlafen gehen, muss morgen um sieben aufstehen. Blöde Sache ist nur, dass in meinem Zimmer das Licht nicht geht. Vorhin ging es nicht, dann wollte ich eine neue Glühbirne reinmachen und habe gleich mal die Sicherung rausgehaun... dann habe ich gesehen dass ein Draht durchgeschmort ist, hat auch ziemlich gefunkt bevor das Licht wieder ausging. Muss ich morgen bei Tageslicht mal schauen, was da passiert ist. Vamos a ver.
Gut ich geh dann mal schlafen. Jetzt nachdem ihr endlich einigermaßen ausführlich wisst, wie mein normaler Tag aussieht ;)

Buenas noches!

Montag, 24. Oktober 2011

im Zeitraffer II

Neue Woche neues (noch mehr) Glück.

- Montag: Achja. Mein freier Tag. Eigentlich. Den ich aber an diesem Montag damit verbracht habe, durch halb Buenos Aires zu fahren, um an mein Paket zu kommen. Das Postsystem hier ist eher... naja schlecht. Finde ich. Kompliziert auf jeden Fall, hier zeigt sich mal wieder die umständliche und bürokratische Art der Argentinier, die tatsächlich existiert, man glaubt es kaum. Naja habe ich eine neue argentinische Erfahrung gemacht... Folgende Schritte sind notwendig, um ein Paket zu erhalten, bei dessen Zustellung man leider nicht zu Hause war (während seine Mitbewohner schon mehrere Pakete bekommen habe und da immer jemand da war -.-):

1) Den richtigen Bus in die richtige Richtung zur zentralen Poststelle nehmen. Ja, ich habe mich natürlich verfahren, sonst würde den richtigen Weg zu finden nicht der erste Schritt sein.
2) Dort angekommen, eine Nummer ziehen und zusammen mit den 247 anderen Leuten darauf warten, an einen Schalter zu kommen und sein Anliegen vorzubringen.
3) Darauf achten, welche Nummer gerade dran ist, und sich am besten fünf Nummern vorher bereit machen, denn wenn man länger als 27 Sekunden nicht auftaucht gehen sie zur nächsten Nummer über. Nein, das ist mir nicht passiert, ich war rechtzeitig da.
4) Den Zettel, den man bekommen hat, und seinen Ausweis vorzeigen und ein Formular ausfüllen. Dann bekommt man seine Paketnummer, und im Bestfall sollte man noch nachfragen, was genau man denn jetzt tun muss, denn von alleine wird es der Postbeamte einem nicht sagen.
5) Sich in den Raum setzen, in dem schon 300 andere Leute auf ihre Post warten, und der nuschelnden Stimme zuhören, die die Paketnummern ausruft.
6) Geduldig warten, sich nicht ärgern und auch nach über zwei Stunden Warten, wenn man am Tiefpunkt angelangt ist, nicht einschlafen.
7) Seine Nummer verstehen (sehr wichtig!).
8) An den Schalter gehen und seinen Zettel abgeben, damit der Typ das richtige Paket suchen kann.
9) Dann zuschauen, wie das Paket über ein Fließband nochmal 20 Meter weiter nach links transportiert wird (meiner Meinung nach eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme) und es dann dort endlich annehmen.
10) Unterschreiben und glücklich als freie Frau mit einem wunderbaren Mama-Paket voller Schokolade und Schwarzbrot aus der Post marschieren und nach Hause fahren. :)

Ja das war so der Tag. Insgesamt habe ich sieben Stunden gebraucht von Haustür zu Haustür. Aber dieses Paket war es wert ♥
Dann habe ich tortas fritas für die WG gemacht, dann Mais zum Abendessen und um zehn waren wir zusammen im Kino - König der Löwen in 3D! Das läuft hier im Moment wieder, und dieser Film ist natürlich perfekt um das erste Mal einen spanischen Film im Kino zu sehen, denn den kenne ich (und auch Carina) so gut, dass wir eh alles mitsprechen können und dementsprechend auch alles verstehen :D War ein netter WG-Ausflug mit Eis und Gummibärchen und einem großen Kino, das wir für uns alleine hatten.

- Dienstag: Arbeit. Sonst zur Abwechsung mal nichts besonderes. ;)

- Mittwoch: Karten bekommen. ♥ Karten geschrieben. Arbeit.

- Donnerstag: Büro in Belgrano. Casa San Pablo.

- Freitag: Arbeit.

Wow das war grade schon ein schneller Zeitraffer :D Ich weiß dass da noch viele kleine Sachen waren, aber es gibt einfach so viel was ich irgendwie nicht in Worte fassen kann oder was nicht spektakulär zum Erzählen ist, was aber in der Situation cool war :) Die Woche war auf jeden Fall schön. Hatte leider immer wieder Heimweh-Phasen, in denen ich mal verschiedene Orte, dann verschiedene Leute und dann wieder verschiedene Dinge, die mich ausmachen, vermisst habe. Bzw. die mich ausgemacht haben, wie zum Beispiel Handball oder Klavier spielen. Vor allem das Handball fehlt mir sehr, es ist ein großer Teil von mir den ich zurückgelassen habe, der irgendwie Teil meiner Identität ist und jetzt grade fehlt. Mehr vermisse ich natürlich meine Familie und meine Freunde (euch alle die das lesen eigentlich) aber mit denen kann ich dann skypen oder chatten oder E-Mails schreiben.

- Samstag: War ich den ganzen langen Tag im Projekt. Wir haben im Kinderprogramm einen Film angeschaut, bei dem aber meine Hauptaufgabe war, die kleineren Kinder die ganze Zeit über ruhig zu halten. Sie waren aber erstaunlich lieb dieses Mal :) Und sehr süß wie sich manche an mich rangekuschelt haben. Dann haben wir den nächsten Samstag geplant, an dem das Thema Reformation und damit verbunden Deutschland sein wird. Klar dass mich alle erwartungsvoll angeschaut haben, noch dazu war Katha nicht da zum Arbeiten, daher war ich die einzige 'Expertin' :D Naja auf jeden Fall bin ich jetzt am Samstag für das typisch deutsche Frühstück zuständig. Das leider nicht existiert, weshalb es wahrscheinlich auf einen Osterzopf hinauslaufen wird, den kann man nämlich sehr wohl frühstücken und er ist auch deutsch. Und entweder wir erklären wann man den eigentlich isst oder vielleicht auch nicht, schließlich kennt das Essen ja keiner ;) Aber dieses Problem ist ja nur entstanden weil es einfach kein typisch deutsches Frühstück gibt... was soll ich da machen?
Weil es Zeit zum Überbrücken gab wurde ich danach von einem meiner Kollegen Schrägstrich guten Freund zum Essen eingeladen, und das war schön, denn die ganze Familie war da und damit war es eine große Tafel :) Hat mir ein bisschen mit meinem Vermissen an diesem Tag geholfen. Danach war Gottesdienst und dann noch Jugendgruppe. Die Jugendlichen fangen jetzt wirklich an, mich zu akzeptieren, und ich verstehe mich immer besser mit ihnen. Das gefällt mir sehr, denn am Anfang sind mir nicht wirklich Sympathien entgegengeschlagen von ihnen. Inzwischen fragen sie mich, ob ich noch dableibe und ob ich mit Tischtennis oder Basketball spielen will :) Im Projekt spiele ich am liebsten 21, das spielt man auf den Basketballkorb. Einer wirft, und der nächste muss den Ball fangen, nachdem er einmal auf dem Boden aufgekommen ist (nicht mehr und nicht weniger als einmal). Dann wirft er von dem Ort aus wo er den Ball gefangen hat. Wenn er trifft bekommt er einen Punkt und wirft dann von hinter der Linie (die ist ziemlich unsichtbar, aber inzwischen weiß ich wo sie sich ungefähr auf dem staubigen Boden befindet ;) und ein Korb von dort zählt zwei Punkte. Das geht so lange bis einer 21 erreicht. Bei 22 Punkten verliert man, deshalb muss man eine Punktlandung hinlegen. Macht sehr viel Spaß, und dass ich nicht unbedingt schlecht in diesem Spiel bin (championa ;D) macht es natürlich noch besser... :)
Ich war dann bis acht im Projekt, weil meine Stimmung immer besser wurde und es so schön und lustig war. Bin dann auch nur gefahren weil meine Vernunft sich gemeldet und eingewandt hat, dass wir noch fast zwei Stunden bis nach Hause brauchen. Der Samstag ist glaube ich mein Lieblingstag ♥

- Sonntag: Absoluter Gammeltag. Der freie Tag, den ich vermisst habe, weil ich letzte Woche gar keinen hatte. Ich hab geschlafen, gefrühstückt und dann geskyped. Ewig glaub ich. Aber es war gut, hat mir gutgetan. Irgendwann um fünf bin ich dann mal in die Gänge gekommen, hab geduscht und mich angezogen und einen Nudelsalat gemacht (nachdem ich mir vorher von meiner Mama noch ein Rezept besorgt hatte ^^) weil ich zu einem Asado eingeladen war und der Auftrag war einen 'typisch deutschen Salat' mitzubringen. Da gab's ja dann nur eine Option... hat auch erstaunlich gut geklappt, und sowohl meine Mitbewohner als auch alle beim Asado haben ihn für gut befunden. Wir waren zu fünft auf der Dachterasse, haben Spiele gespielt und gegessen. Wir waren sehr gemischt, zwei paraguayas (deshalb haben wir auch dedere getrunken, das ist kalter Mate den man in Paraguay trinkt), ein Peruaner, ein Argentinier und eine Deutsche (das war ich! :D). War ein lustiger Abend, an dem ich wieder mal mein Spanisch trainieren konnte, denn jeder hat irgendwie anders geredet als der andere, und es war oft ein anderes Spanisch als ich jeden Tag im barrio höre.

Nudelsalat in Arbeit

und fertig. Ich musste den Topf benutzen weil wir keine Schüsseln haben.

Die Meisterin mit ihrem Werk ;) Ich musste das Bild leider zensieren und meinen Kopf wegschneiden, denn wie Konrad treffend frmuliert hat "sieht das Bild irgendwie gruslig aus" in der Originalform. Man beachte dennoch meine nassen Haare, ich war nämlich gestern ganz argentinisch und bin frisch geduscht mit nassen Haaren zu spät gekommen :)

Und wieder ist eine Woche vergangen. Vielleicht könnt ihr euch anhand dieser Beschreibung vorstellen, wie schnell meine Zeit verfliegt.

Heute war ich dann sehr produktiv, nachdem ich mich gestern erholt habe und mir Zeit für mich genommen habe, habe ich heute aufgeräumt (obwohl ich hier nicht so viele Sachen besitze hatte ich ein RIESENchaos angerichtet...), geputzt, eingekauft, gekocht, Wäsche weggebracht (irgendwie war alles, was ich besitze, schmutzig...) und dann war ich noch beim Friseur :) War ein großer Erfolg, ich hatte nicht viel erwartet, wollte nur die Spitzen und den Pony schneiden lassen, aber es ist so toll geworden dass ich ganz begeistert bin :) Das Gefühl wenn man frisch die Haare geschnitten hat ist einfach toll.
Und für alle, die schon vergessen habe, wie ich aussehe, und damit ihr meine Haare bewundern könnt: So sehe ich im Moment aus! :)


So. Das war's für heute. Ich bin sehr sehr stolz auf mich, ich habe mir vorgenommen heute alles für den Blog nachzuholen und das habe ich auch gemacht! Na gut, ich sitze hier auch schon ewig, aber mit Plain White T's als Begleitmusik und Konrad als gelegentlichen Gesprächspartner, dazu noch Schokolade, ließ es sich gut aushalten. :) Nur ist es jetzt schon wieder so spät... egal, ich muss morgen erst um eins in die Arbeit fahren, kann also ausschlafen.
Ich wünsche euch eine tolle Woche und wünsche mir, dass ich nie mehr so viel ansammle was ich unbedingt erzählen will ;)

Bis bald, un abrazo fuerte desde Buenos Aires, Rebekka

P.S.: Heute hatte ich so ein richtiges Sommergefühl. Ich hatte das erste Mal Sandalen an und habe zu diesem Anlass gleich meine Fußnägel lackiert :) Es war aber auch warm, und zwar nicht hässlich-schwülwarm, sondern schön-sonnenwarm. So kann es gerne bleiben. Und wehe es regnet heute Nacht, meine Wäsche hängt noch draußen. Irgendwas muss bis morgen trocken werden, denn sonst habe ich morgen nichts zum Anziehen :D

im Zeitraffer I

Da ich euch trotzdem nicht vorenthalten will, WAS ich denn nun alles tolles in der letzten Zeit getan habe, kommt hier nun eine Darstellung im Zeitraffer. Vorhang auf!

- Donnerstag, 13.10.11: Morgens Arbeit im Büro der IERP. Ich weiß nicht ob ich es schonmal erzählt habe, aber ich arbeite bei der Vida Abundante, der Kirchenzeitschrift der Iglesia Evángelica del Río de la Plata, mit. Es gibt darin einen deutschen Teil, und im Team für diesen Teil helfe ich mit. Die meiste Zeit korrigiere oder übersetze ich Texte, manchmal bringe ich auch Texte in die richtige Form oder suche Bilder. Dafür bin ich jeden Donnerstag im Büro und fahre dann von dort in die Arbeit (sehr praktisch dass ich bereits dort gewohnt habe und daher den Weg in die Arbeit von Belgrano aus kenne). Arbeitstag bestand aus reunión, um die kommende Woche zu besprechen, und manos con colores mit den Jugendlichen. Wir haben das Muttertagsgeschenk beendet, das bereits angefangen war, eine Flasche mit buntem Papier beklebt, in die eine Blume gesteckt wurde und eine Karte drangehängt wurde. Abends sind wir dann direkt nach der Arbeit nach Palermo gefahren, dort war ein Tandem-Treffen der Organisation Hola-Hallo. Zu diesem Treffen kommen Argentiner, die deutsch lernen, und Deutsche, die argentinisch lernen. Ziel ist einfach der Austausch und das Üben der Sprache. Ich habe viele interessante Leute kennengelernt, auch viele Deutsche die es aus welchen Gründen auch immer nach Buenos Aires verschlagen hat, und den ganzen Abend lang nur geplappert. Man könnte sagen ich war ziemlich in meinem Element bei einer Party bei der es ums Reden geht ;D War auf jeden Fall gut, und das ist immer wieder mal, da werden wir das nächste Mal wahrscheinlich auch hingehen :)

- Freitag, 14.10.11: Ein wunderschöner Tag im Projekt ♥ steht zumindest in meinem Tagebuch mit Herzchen außenrum. Dem glaub ich mal, aber was genau das tolle war weiß ich leider nicht mehr, ich erlebe so viele wunderbare Tage in San Pablo dass ich sie schwer auseinanderhalten kann :) Gute Nachricht vom Freitag: Das Care-Paket aus Deutschland ist sicher in Argentinien angekommen. Schlechte Nachricht: Als sie es bringen wollten war keiner da um es anzunehmen, daher haben sie es wieder mitgenommen und in die zentrale Poststelle nach Retiro gebracht, wo ich es nun abholen muss. Dazu später noch mehr...
Den Abend habe ich mit Carina auf unserem Balkon verbracht, wir haben Musik gehört, die Sterne bewundert und Armbänder geknotet. Sehr schön :)

- Samstag, 15.10.11: Tag im Projekt. Kinderprogramm und danach Kino, das die Jugendgruppe organisiert hat. Sie wollen damit Geld einnehmen für einen Ausflug, der geplant ist (werde ich wahrscheinlich auch mitfahren). Ich habe zwar eine Karte gekauft, aber letzten Endes nicht wirklich den Film mit angeschaut, weil ich ihn erstens nicht verstanden habe und ihn zweitens auch uninteressant fand, und außerdem stand ich die meiste Zeit in der Küche und hab Popcorn gemacht, weil ich irgendwie die einzige war die eine Ahnung hatte wie das geht :D Ich stelle hier fest dass ich mich in der Küche sehr viel besser auskenne als ich immer dachte, ich denke ich habe da passiv einiges von den außergewöhnlichen Fähigkeiten meiner Mama mitbekommen :) Inzwischen fragt mich schon oft jemand um Rat wie man gewissen Sachen kocht, das ist wirklich interessant wie sich das grade entwickelt :)
Abends bin ich mit ein paar anderen Freiwilligen nach Olivos gefahren, da wohnt ein älterer Herr mit seiner Frau, der aus Deutschland kommt und schon seit einigen Jahren Diskussionsrunden für Freiwillige anbietet. Über einen der Freiwilligen, die ich von der Capacitación kenne, ist da ein Kontakt enstanden, und dann waren wir am Samstag das erste Mal dort. Wir haben über Politik und Wirtschaft geredet, er hat uns einige Sachen erzählt und es war spannend, die Sichtweise eines Deutschen zu hören der seit 15 Jahren hier wohnt und auch Ahnung von der Politik hat - denn sich in die argentinische Politik einzulesen oder überhaupt rauszubekommen, welche Partei für was steht, ist eher schwierig. Besonders ohne Fernseher, denn hier läuft fast alles über Nachrichten weil Argentinien einfach eine Fernsehnation ist. Aber ich habe jetzt mit Zeitung lesen angefangen (der Herr hat uns auch Zeitungen empfohlen die nicht regierungstreu sind) und vielleicht kriege ich ja jetzt manche Sachen früher mit als es im Moment der Fall ist... Das Tolle an dem Abend war übrigens noch, dass wir ein richtiges deutsches Abendbrot bekomme haben: Dunkles Brot, Schinken und Käse. Zusammen mit der Einrichtung der Wohnung, dem großen Regal voller deutscher Bücher, hab ich mich fast wie in Deutschland gefühlt...
Ich habe dann zusammen mit Maria, einer lieben Mitfreiwilligen, eine Freiwilligen-WG gestürmt, die in der Nähe liegt, denn wir hätten sonst beide noch nachts zwei Stunden nach Hause fahren müssen. Zum Glück wurden wir freundlich aufgenommen und hatten so einen Schlafplatz für diese Nacht. Und es war toll, es war so idyllisch und ruhig... :) weil es halt nicht Capital ist, sondern ein Vorort. Aber ich hab sehr schlecht geschlafen, wahrscheinlich war es mir zu leise... :D

- Sonntag, 16.10.11: Día de la Madre in Argentinien. Als ich heimkam war es noch recht früh und als ich ganz leise die Tür aufmache, sitzt auf einmal jemand vor mir mit dem ich wirklich nicht gerechnet hatte. Wie sich herausstellte, hatten wir full house, weil sowohl Konrad als auch Carina Besuch hatten, und alle möglichen Schlafplätze waren belegt. Hat mir gut gefallen, wir haben dann zu sechst zusammen gefrühstückt und es war einfach was los bei uns :) Manchmal ist es mir nämlich zu leise in der Wohnung, klar ich komme aus einer fünfköpfigen Familie in der immer irgendwer Lärm macht ;)
Eigentlich wollte ich dann einen entspannten Tag einlegen und aufräumen, waschen, Blog schreiben... aber als einige der Truppe zum Puerto Madero aufbrechen wollten habe ich mich spontan entschieden noch mitzufahren. Und diese Entscheidung habe ich nicht bereut! Wir waren im museo del bicentenario (Museum zum 200-jährigen Jubiläum Argentiniens, das 2010 war) und danach in einem Park am Puerto Madero. Der Puerto Madero sieht (nach Aussage der Hamburger) aus wie die Speicherstadt oder Hafencity (ich zitiere hier nur, kein Anspruch auf Richtigkeit! ;) es ist auf jeden Fall echt schön da. Das Wetter war leider nicht so toll, es war diesig und bedeckt, kam wahrscheinlich von der Vulkanasche die der Wind von Chile zu uns rübergepustet hat. Trotzdem okay, um sich in einen Park zu setzen und entspannt Mate zu trinken. Wir wollten eigentlich noch überlegen, ob wir noch woanders hingehen, rumlaufen und uns mehr anschauen, aber im ersten Park waren Breakdancer und dort sind wir dann hängengeblieben. Mein Mitbewohner Konrad tanzt selbst und war gleich total in seinem Element, ist nach einigem Beobachten auch dazugegangen und hat gleich Kontakte geknüpft. Wir Mädels (wir waren zu dritt) saßen dann einfach stundenlang da und haben beim Tanzen zugeschaut. Das war so gigantisch, die waren so gut, ich bewundere das total. Und ich weiß auch dass ich mich niemals so bewegen können werde ;) Ich will auf jeden Fall bald wieder zuschauen. Konrad trainiert jetzt mit dieser Gruppe und kennt auch schon viele Leute, da ergibt sich bestimmt bald mal wieder eine Gelegenheit. Ich könnte da echt stundenlang zuschauen... jah weil wir da hängengeblieben sind haben wir eigentlich den ganzen Tag nichts gemacht, aber es war sehr toll :) So muss das sein. <3
Beim Heimweg bin ich dann über Plaza de Mayo gefahren und da war noch ein Riesenaufstand, lauter Leute mit Fahnen und T-Shirts und Plakaten... es war irgendeine Veranstaltung in Verbindung mit dem Peronismus, weil irgendein wichtiger Tag war... genau hab ich es noch nicht rausbekommen, auf jeden Fall war es politisch :D Ich bin dann noch kurz dageblieben und habe die Stimmung in mir aufgesaugt, das war wirklich gigantisch da. An diesem Abend war ich sehr sehr glücklich, ich weiß gar nicht wie man so ein großes Gefühl überhaupt in sich behalten kann. Trotzdem sind diese Tage auch die Zeiten, in denen ich am meisten vermisse, weil ich mir wünsche dass gewisse Menschen bei mir wären, damit ich dieses Gefühl und die Erlebnisse mit ihnen teilen kann. Wieder ein verrücktes Gefühl, traurig zu werden weil man so glücklich ist...

Hier noch ein paar Eindrücke aus dem Museum, sind auch die einzigen Bilder die es von mir von diesem Tag gibt weil mein Kameraakku leider am Nachmittag die Grätsche gemacht hat...








achja Männer in Uniform... :D


Das war diese Woche. Sie war vollgestopft und toll. :)

Erklärung (die u.U. wie eine Ausrede wirken könnte... ;)

Buenas noches!

Achja, lang ist's her dass ich mich hier hab blicken lassen... also ab und zu war ich schon da, hab mir angeschaut wann ich das letzte Mal was geschrieben habe und dann mit einem schlechten Gewissen die Seite wieder geschlossen, weil ich entweder keine Zeit, keine Muse oder keine Ruhe für einen Eintrag hatte.
Das Hauptproblem in den letzten zwei Wochen war aber die Zeit. Das mit der Zeit ist hier wirklich eine sehr komische Sache. Ich habe jeden Tag das Gefühl, dass ich mindestens 35 Stunden erlebt habe, und wenn ich mir abends überlege, was ich morgens getan habe, kommt es mir vor als sind diese Dinge vom Morgen schon mehrere Tage her. Meine Tage sind sehr lang, und ich mache sehr viel - zumindest kommt es mir so vor. An einem normalen Arbeitstag lege ich außerdem große Strecken zurück, vielleicht verstärken diese großen räumlichen Entfernungen auch das Gefühl, große zeitliche Strecken zurückgelegt zu haben.
Trotzdem habe ich auch das Gefühl, dass die Zeit unglaublich schnell vergeht. Der Tag hat zwar gefühlte 35 Stunden (mindestens), aber er vergeht auch schneller als ein normaler 24-Stunden-Tag wie ich ihn gewöhnt bin. Klingt total verrückt und unlogisch, ich weiß, aber so fühlt es sich an. Auf einmal ist wieder eine Woche vorbei, und ich weiß gar nicht wo die Zeit hingekommen ist. Auf einmal bin ich wieder einen Monat mehr hier, und habe doch noch so frisch den letzten Tag in Erinnerung, an dem ich einen vollen Monat länger hier gelebt habe. Alles ist irgendwie extremer, die Tage sind länger, die Wochen kürzer, Gefühle sind stärker, die Sprache ist spanischer (kleiner Witz zwischendurch :D), Strecken länger, Nächte heller, Energieschübe stärker, Gammeltage entspannter, Glücksmomente vollkommener. Ich fühle mich wacher als jemals zuvor, und ich mache auch viel mehr aus jemals zuvor. Hier geht immer irgendwas, irgendjemand fragt immer ob ich irgendwohin mitgehe, Schlaf ist eher zweitrangig und zweckmäßig, nämlich dazu da um für den nächsten Tag voller Erlebnisse fit zu sein. Alles ist irgendwie aufregend, weil ich es das erste Mal mache, auch wenn es eigentlich alltägliche Dinge sind.

Dieses Gefühl, das die Stadt und die Leute und das Leben hier in mir auslösen, wollte ich euch einfach mal erklären. Es ist der Grund, warum ich über lange Strecken oft keine Zeit habe, um zu erzählen, was ich getan habe, denn bevor ich mich hinsetzen und über etwas schreiben kann, passiert schon die nächste Sache. Ich hoffe es ist einigermaßen verständlich, was ich erklärt habe :) Ich verstehe dieses Zeit-Gefühl-Gefüge ja auch nicht so ganz, aber ich habe es so gut wie möglich in Worte zu fassen versucht ;)

So weit mal dazu. :)

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Wasser.

... da hab ich mich wohl zu früh gefreut dass der Frühling wieder Einzug hält ... gestern war es so warm, dass ich mit T-Shirt im Zug geschwitzt habe. Heute hat der Himmel dafür wieder alle Schleusen geöffnet und einen kalten Wind mit nach Buenos Aires geschickt. Praktischerweise habe ich meinen Regenschirm gestern morgen erst wieder aus meinem Rucksack genommen, weil das Wetter ja wieder besser wurde... aber wir hatten Glück, es hat zwar den Nachmittag über geregnet, aber als wir zur parada (Bushaltestelle) gelaufen sind hatte es schon wieder aufgehört. Wir wurden nicht klitschnass, durften aber als Entschädigung dafür eine Runde durch den Schlamm waten... :D Im barrio sind ja nicht alle Straßen befestigt, und wenn es dann viel regnet steht alles unter Wasser. Naja ich bin ziemlich heil durchgekommen, auch wenn der Schlamm einmal meinen Schuh nicht wieder hergeben wollte... ;)

Sonst war der Tag heute aber wirklich toll. Gestern war es schon schön, ich bin total motiviert aufgewacht und hab ganz viel geschafft bevor ich in die Arbeit bin. Heute war ich zwar nicht ganz so wach in der Früh, aber dafür war meine Mitfreiwillige Katha (mit der ich zusammenarbeite, falls das jemand nicht weiß ;) da, um bei uns ins Internet zu gehen weil sie im Moment keines hat in ihrer Wohnung. Im Projekt hab ich dann erstmal wieder Kartoffeln und Zwiebeln geschält, was ich eigentlich immer mache wenn ich in der Küche mithelfe. Ich werde immer besser! :D
Dann hab ich Mate gemacht und viel mehr dann auch nicht mehr. Immer wenn ich gefragt habe was ich machen soll sagten die Frauen zu mir "Mach du mal weiter Mate, wir machen das hier". Na gut... meine Aufgabe war ja auch eigentlich die wichtigste, denn die meisten Argentinier funktionieren nunmal nicht richtig wenn man nicht regelmäßig den Matepegel auffüllt... ;) Dann haben wir noch tortas fritas gemacht, denn schließlich hat es draußen geregnet, und wenn es regnet isst man tortas fritas. Das ist Teig der in Fett rausgebacken wird, schmeckt sehr gut :) Aber ist auch gefährlich, man isst schnell zu viel davon...

Danach war manos con colores und heute war ein sehr guter Tag :) An manchen Tagen sind die Kinder anstrengend, machen nur Unsinn, reagieren empfindlich auf mich, tun so als würden sie mich nicht verstehen... all sowas. Aber heute <3 Sie waren so lieb. Okay, natürlich waren wegen dem Regen auch sehr viele nicht da. Aber wir konnten ja nicht draußen spielen sondern mussten drinnen bleiben, und da ist es auch nicht selbstverständlich dass sich alle gut aufführen. Aber heute lief alles gut. Die Kinder haben mit mir geredet, die Kleinen hingen an mir dran, haben alle brav gemalt als ich ihnen die Stifte gegeben hatte... und mit einem kleinen Jungen habe ich ein Puzzle gemacht, ein relativ schwieriges, viele Teile und sehr bunt, und wir haben zusammen in aller Ruhe gearbeitet und er war so süß und lieb <3 Ich bin immer noch begeistert wenn ich daran denke :) Das sind die Momente die mir zeigen, warum ich diese Arbeit mache, und an die ich mich erinnere, wenn es auch mal richtig beschissen läuft. Diese Momente bewahre ich ganz sorgfältig in meiner Erinnerung auf, damit ich sie rausholen kann wenn ich frustriert bin und mir sagen kann "Schau mal, es ist nicht immer so".

Weil ich davon heute sehr begeistert war wollte ich es euch einfach erzählen :) Ich muss immer noch glücklich lächeln wenn ich daran denke wie das heute war :) Solche Tage hab ich immer wieder mal, und sie helfen mir wirklich, auch schwierige Situationen in meiner Arbeit zu überstehen.
Ich werde jetzt schlafen gehen, denn morgen muss ich früh aufstehen. Ihr schlaft (hoffentlich) eh alle schon, denn in Deutschland ist es mitten in der Nacht ;)

Buenas noches con un gran beso

P.S.: Für alle die keine bis wenig Ahnung vom sagenumwobenen Mate haben, ich werde demnächst wenn ich mal gut Zeit habe eine Erklärung samt Anleitung zum Thema Mate für euch schreiben ;)

Montag, 10. Oktober 2011

das neueste.

Guten Abend Chicis ;)

Es hat tatsächlich aufgehört zu regnen. Freitagmorgen dachte ich es würde nie wieder aufhören und wir würden in unserer Wohnung ertrinken. Auf dem einen Balkon stand nämlich das Wasser, weil der Abfluss verstopft war, und dann ist an der Wand unter der Balkontür das Wasser reingelaufen... da hat irgendwer nicht richig gefliest und verfugt *hust* Okay kann man nicht ändern, wir haben dann aufgewischt und den Heizlüfter vor die Wand gestellt damit sie trocknet. Aber der Putz bröckelt jetzt trotzdem ab... naja das macht er ja eigentlich überall. Es ist ein bisschen ZU neu alles bei uns, da kann noch so viel runterkommen wenn man irgendwo hängenbleibt oder so... am Freitag war ein Freund aus dem Projekt da und hat uns Löcher für die Moskitonetze gebohrt, aber das war auch nicht überall erfolgreich... unsere Wände und Decken sind so hart, an manchen Stellen geht einfach gar nichts. Heute habe ich wieder drei Nägel verbogen und zwei nette große Löcher in die Wand gemacht bevor ein Nagel hielt, an dem ich dann eine neue Schnur spannen konnte um weitere Kalenderblätter aufzuhängen. Brauchte nämlich mehr Platz, jetzt hängen schon neun Fotos da :)
Achja, eigentlich benutzt man in Argentinien keine Moskitonetze, wenn überhaupt nur für Babys... hier hat man Netze an Fenstern und Türen. Aber wenn wir an unser Fenster oder unsere Tür ein Netz machen kann man nicht mehr auf den Balkon raus... also müssen wir wohl Exoten sein und trotzdem Netze über den Betten verwenden ;)

Freitag arbeiten war sehr schön, es waren nicht so viele Kinder da weil es geregnet hat und deshalb war alles ein bisschen entspannter. Wenn es regnet und im barrio alles richtig matschig wird kommen viele Kinder nicht ins Projekt, weil sie weder Schuhe noch Jacken für so ein Wetter haben. Außerdem sind die Argentinier da auch manchmal etwas wasserscheu, Regen dient als Ausrede für allerlei Sachen, viele Kinder gehen dann nichtmal in die Schule... aber draußen Basketball spielen wenn es regnet wollen die Kinder, die kommen, dann doch. Un pocito loco.
Freitagabend waren wir auf einem Trommelkonzert in einem Kulturzentrum in der Nähe. War wirklich super! Konex heißt das Zentrum, da werde ich auf jeden Fall nochmal hingehen.
Samstag war dann wieder ein Tag im barrio, erst Kinderprogramm in der Früh, danach reunión für die nächste Woche und danach waren wir auf den Kindergeburtstag eines Fünfjährigen eingeladen :) Es gab eine Hüpfburg, einen Kicker, Panchos, Hamburger und Knabberzeugs und es war wirklich schön. Später sind wir dann nochmal zurück zur Casa und waren bei der Jugendgruppe dabei. Wir haben Tischtennis gespielt und Baskeball und nächste Woche geplant, da gibt es nämlich am Samstag Kino in der Casa. War auch lustig, obwohl mir von den Mädels kurz mal ein bisschen Feindschaft entgegenschlug, ich glaube ich war zu gut im Tischtennis oder hab mich mit den Jungs zu gut verstanden... die Situation ist schwierig, ich bin noch nicht richtig akzeptiert und besonders bei den  pubertierenden Mädels kann das sicher auch noch dauern. Aber ich gebe mir Mühe, vielleicht mögen sie mich ja bald ein bisschen lieber ;)

Sonntag und heute habe ich dann mit Entspannung, Schlafen und Sachen daheim verbracht. Skypen, Putzen, Lesen, Armbänder knoten... ich versuche gerade eines mit drei Farben, brauchte ich zwar Starthilfe (danke Katha! :) aber jetzt läuf es ganz gut. Außerdem habe ich ein Armband in den Argentinien-Farben gemacht. Hab das Armbänderknoten hier für mich entdeckt, wir hatten ja in der ISEDET ein Modul mit Artesania, also diesen Armbändern, und seitdem mache ich das. Letzte Woche waren wir Bänder und Perlen kaufen und jetzt geht es richtig los :)

So viele Bänder habe ich bis jetzt ;) das ganz recht ist das neueste, weiß und türkis von der Flagge mit gelben Perlen, die stehen für die Sonne die auf der Flagge drauf ist. Am Samstag wurde mir schon gesagt ich muss entweder aufhören oder welche verschenken, denn bald ist kein Platz mehr weil mein Arm so kurz ist. Sehr witzig. Sind aber auch nicht alle von mir, ich hab auch selbst welche geschenkt bekommen.

... und das ist das mit drei Farben. Bin noch nicht so weit, aber ich mache gleich noch ein bisschen weiter.
Ja damit ihr mal einen Eindruck habt :)

Heute habe ich übrigens Pfannkuchen gemacht! Es hat super geklappt und ich war ganz stolz auf mich. Ich finde hier immer mehr Freude am Kochen, hätte ich nie gedacht dass mir das so viel Spaß macht. Immer wenn ich vor dem Herd stehe und was mache fallen mir noch lauter andere Sachen ein, die ich mal ausprobieren könnte. Und wenn ich sie dann ausprobiere hat es bis jetzt immer gut hingehauen. Zumindest haben meine Mitbewohner bis jetzt alles für gut befunden :D

So ich mache mich dann jetzt auf in Richtung Bett. Bis bald mal wieder, lasst's euch gutgehen so wie ich das hier mache <3

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Regen ♥

Es schüttet und schüttet, Land unter in Buenos Aires!

Diese Stadt ist unglaublich bei Regen, ich finde es total toll wie alles im Dunkeln und im Nassen aussieht :) Kann sein dass das verrückt klingt, aber mir gefällt das so richtig gut. Außerdem wird so der ganze Dreck und Staub der Tage abgewaschen, morgen wird die Luft und einfach alles ganz klar sein und ich kann mir einbilden, dass es hier mal sauber ist. Wenn ich genug daran glaube wird es ja vielleicht irgendwann wahr ;)

Sonst gibt es nicht viel neues. Am Dienstag waren wir nochmal in diesem Tangoclub hier in der Nähe und dieses Mal war ich auch rechtzeitig da um den Kurs mitzumachen. Hat wirklich Spaß gemacht, obwohl es so laut war dass ich die Lehrer die meiste Zeit nicht verstanden habe, und so voll dass man ständig mit jemandem zusammengestoßen ist. Meine Partner waren auch nicht immer die besten, aber wer weiß vielleicht sind meine Maßstäbe da ja auch zu hoch... ;D Der letzte war auf jeden Fall gut und es hat wirklich Spaß gemacht! Vielleicht gehen wir bald wieder hin.

Morgen wird ein netter Mann kommen und ein Loch in meine Decke bohren... :D nein also morgen kommt ein Freund von mir der auch in der Casa arbeitet und bringt seine Bohrmaschine mit, damit ich mein Moskitonetz aufhängen kann. Finde ich sehr toll, wieder ein Stück mehr Einrichtung für mein Zimmer! Außerdem haben wir das Okay um die Schränke zu bestellen, also wird das bald auch laufen :)

Ja. Das war's kurz von mir, ich gehe jetzt weiter dem Regen zuhören ;) ♥

Montag, 3. Oktober 2011

Pizzatag

Guten Abend :)

Heute war ein schöner Tag. Ich hatte frei, hab ich ja jeden Montag. Ich hab erstmal gemütlich gefrühstückt (heute mal kein Müsli weil wir keine Milch mehr hatten, ist vielleicht ganz gut sonst werde ich noch eine 'Müslischlampe' :D gut das ist ein Insider, ich hoffe irgendwer von euch der diesen Blog liest versteht den Witz und kann ein bisschen lachen ;).
Dann hab ich das Bad geputzt, weil ich damit diese Woche dran bin. Wir haben die Wohnung in drei Bereiche geteilt und rotieren damit was jeder immer putzen muss. Also hab ich das Bad gemacht, das geht auch recht schnell, ist ja nicht groß und außerdem ist alles gefliest, das macht Putzen schon sehr angenehm. Danach wollte ich dann allerdings nicht mehr aufs Klo gehen oder Händewaschen oder irgendwas machen weil ja grade alles so schön sauber war... aber irgendwann musste ich dann doch. ^^
Den größten Teil des Tages hab ich dann vor meinem Laptop verbracht, mit Skypen und Chatten, und es war so schön wieder von meiner Familie und vielen Freunden zu hören. Danke dass ihr da seid, ich wüsste wirklich nicht was ich sonst machen würde!

Dann war ich einkaufen, unsere Vorräte waren ziemlich ausgeräubert. Nachdem ich mir von meiner Mami habe sagen lassen wie viel Teig man für drei Leute braucht konnte ich auch alles zum Pizzabacken einkaufen. Das war nämlich mein Plan für heute, Pizza machen. Montags bin ich für's Kochen zuständig, weil ich ja unter der Woche nie kochen kann weil ich immer so spät heimkomme. Also hab ich heute Pizza gemacht. Teig gepanscht, da hab ich alle Zutaten so grob abgeschätzt, ich hab ja weder eine Waage noch einen Messbecher ;) Hefe zu finden für den Teig war erstmal auch ein Abenteuer, ich bin dafür ewig in Schlangenlinien durch den Supermarkt gerannt... musste dann beim Nachfragen erstmal erklären was ich suche, weil ich das spanische Wort natürlich auch schon wieder vergessen hatte. Aber gut, am Ende hatte ich ja was ich brauche :)
Ja. Eigentlich bin ich nur so froh dass ich alleine mit einem Gasherd und ohne Nudelholz Pizza gemacht habe, die auch noch geschmeckt hat :) Überhaupt werde ich sehr kreativ was Kochen betrifft, also im Bezug darauf was man verwenden kann wenn man bestimmte Küchengeräte nicht hat. Heute habe ich ein Glas zum Ausrollen des Teigs umfunktioniert, das hat erstaunlich gut geklappt ;)
So sah meine Pizza aus :) Also ich hab drei Stück gemacht, ihr glaubt ja gar nicht was für Raubtiere ich in dieser WG zu füttern habe... ;D

Joah. Dann haben wir gemütlich zusammen gegessen und dann erstmal gelüftet, um den Geruch vom Ofen wieder aus der Wohnung zu bekommen... aber das war's wert.
Und damit geht dieser Tag zu Ende :)

Samstag, 1. Oktober 2011

Samstag

Buenas noches :)

Die letzten zwei Tage waren ereignisreich und da ich heute mal früher daheim war von der Arbeit und irgendwie nicht viel zu tun habe, wollte ich meine Erlebnisse gleich mit euch teilen!

Am Freitag haben wir im Projekt cumpleaños gefeiert, also Geburtstag. Wir machen das so, dass quasi über drei Monate 'gesammelt' wird, und nach diesen drei Monaten machen wir eine Feier für alle, die in der Zeit vorher Geburtstag hatten. Ich habe das gestern zum ersten Mal erlebt, und ich muss sagen, es war wirklich ein Erlebnis... :D Zuerst haben wir draußen gespielt, so wie immer am Anfang des Programms. Dabei war allerdings schwierig, dass wir nicht das ganze Team waren, weil einige innen die Deko vorbereiten mussten, wieder andere nicht da waren... es endete damit, dass ich mich irgendwie fast in mehrere Teile zerlegt habe. Hier auf Kinder aufpassen, da einen Ausreißer einfangen, dabei noch mit einem Mädchen eine Art Tennis spielen, weil sie das unbedingt wollte und ich ja gesagt hatte. Fand sie dann aber natürlich nicht so witzig dass ich ständig weggerannt bin, aber was sollte ich machen. Ja das war eine aufregende Stunde, so wie wir manchmal zu viele sind und ich nicht so recht weiß, was ich tun soll, waren wir gestern zu wenige. Aber irgendwie haben wir es hinbekommen, und nach der Stunde sind wir dann alle rein zum Teetrinken.
Also nur dass wir diesmal keinen Tee getrunken haben, sondern Cola und Saft, und dazu Chips und süßes Knabberzeug gegessen haben. Die Argentinier haben ganz viel so buntes pappsüßes Zeug, ich kann das überhaupt nicht haben, aber die Kinder sind total begeistert davon. Naja, dass ich nicht so für den vielen Zucker hier zu haben bin habe ich ja früher schon rausgefunden ;) Übrigens noch eine kleiner wissenswerter Fakt: Hier bestellt man keine Cola wenn man eine will sondern eine Coke, denn Cola bedeutet Hintern...

Es ging in dieser Zeit, in der die Kinder ihr Geburtstagsessen genossen haben, sehr sehr laut zu. Der Raum war auch mit Luftballons geschmückt, die bald zum Spielzeug wurden, aber sie waren zum Glück festgebunden. Dann irgendwann haben wir einen Kuchen gebracht, in den immer eine Kerze gesteckt wurde, sich ein Geburtstagskind davor gesetzt hat und dann besungen wurde, bevor es die Kerze auspusten und behalten durfte. Dann war das nächste Kind dran.
Das Singen war übrigens auch eher kein Singen, sondern Schreien, und dazu wurde noch laut mit den Bechern auf den Tisch geklopft... zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits aufgegeben, irgendjemandem zu sagen dass man dieses tun darf und jedes nicht - wir waren kurzzeitig in einem Land ohne Regeln angekommen :D Aber ich wurde beruhigt, das läuft an diesen Tagen immer so. Und eigentlich war es ja auch sehr witzig, nur eben laut und anstrengend...
Danach gab's dann Kuchen für alle, und dann haben wir draußen noch gespielt. Der Kuchen hat alles wieder ein bisschen beruhigt, denn die Kinder wissen schon, dass sie keinen bekommen, wenn sie sich nicht anständig aufführen. Das ist schon eine geschickte Lösung, um die Meute wieder zu beruhigen ;)

Den Abend habe ich dann gestern mit meiner Mitbwohnerin auf dem Balkon verbracht, das war sehr angenehm. Die Nächte werden milder, gestern war es zwar nicht so sehr warm, aber doch so dass man einige Zeit draußen unter den Sternen sitzen konnte. :)
Heute haben wir dann im Projekt über Paraguay geredet. Die Kinder diskriminieren sich wegen ihrer Herkunft, weil sie das im barrio so lernen weil es einfach Alltag ist. Leider. Ich kann nicht verstehen, woher das kommt, aber Bolivianer zum Beispiel sind in Argentinien ganz schlecht angesehen, und überhaupt alle aus den Nachbarländern. In der Casa wollen wir natürlich nicht hören, dass die Kinder sich beschimpfen, aber schon gar nicht, dass sie sich mit Sachen wie "Deine Mutter ist aus Bolivien!" beleidigen wollen. Ist ein ganz schwieriges Thema.
Deshalb stellen wir seit letzter Woche samstags immer ein anderes Land vor, um dem vorzubeugen. Damit die Kinder sehen, was das Land wirklich ist und was es ausmacht, dass es dort gar nicht so anders ist als hier und dass auch die Menschen genausoviel wert sind. Denn eigentlich wissen die Kinder nicht, wovon sie reden, sie sehen nur wie die Erwachsenen die Herkunft als Beleidigung benutzen.
Heute war also Paraguay dran, wir haben Wörter auf Guaraní erklärt und eine Mutter hat etwas typisches gekocht: Chipa! Das war wirklich sehr lecker, ist Teig mit Maismehl und Käse innendrin, was im Ofen gebacken wird. Und es war so viel dass wir vom Team uns dann während der Besprechung nach dem Programm noch die Bäuche vollgeschlagen haben... :)
Ja das war dieser Tag. Ich bin dann bald heim, war ein bisschen schlapp mit Kopfschmerzen. Jetzt geht's aber besser und wir kochen jetzt was, also gehe ich mal los in die Küche! Also... in das Zimmer, das als Wohn- und Essraum und Schlafzimmer dient und in dem außerdem ein Herd steht... ;D

Bis bald, Rebekka