Hallo meine Lieben,
es ist viertel nach elf und ich nutze die einzige Zeit des Tages, in der ich in der Wohnung bin und Zugang zu meinem Laptop habe, um euch auf den neuesten Stand zu bringen.
Am Samstag habe ich mich um neun fröhlich und beschwingt aufgemacht, um in die Arbeit zu fahren. Es sollte das erste Mal sein, dass ich den Weg in dieser Richtung alleine fahre, und irgendwie war an diesem Morgen tatsächlich der Wurm drin... zuerst kam ich gar nicht aus dem Haus, weil ich keinen Schlüssel dabei hatte. Wir haben nur zwei Paar Schlüssel, und ich habe keinen mitgenommen weil ich wusste ich komme als Letzte heim und Konrad und Carina sind dann eh da. Tja dann stand ich unten vor der Eingangstür vor drei Schlössern und kam nicht raus. Also musste ich wieder hoch und meine armen Mitbewohner wachklingeln (zum Glück hat Carina mir es nicht übel genommen, danke nochmal ;).
Als ich dann endlich aus dem Haus war, war es schon zwanzig nach neun, ich war also mit meinem angestrebten Zeitplan im Verzug. Okay, dachte ich mir, ich bin in Argentinien, ich lebe eben nach der argentinischen Zeit (nie ganz pünktlich). War alles kein Problem, blöd wurde es dann nur als in die falsche Subte eingestiegen bin... -.-
Ich war mir wegen der Richtung nicht sicher und hab nochmal gefragt, und der den ich gefragt habe meinte "Komm erstmal rein" und kaum waren die Türen zu, war mir klar dass ich in die falsche Richtung fahre. Ich hatte noch Glück, weil die Subte nach zwei Stationen Endstation hatte und dann wieder zurückgefahren ist, also in die für mich richtige Richtung. Also konnte ich einfach sitzenbleiben. Danach musste ich aber noch zwanzig Minuten auf den Zug warten und danach wäre ich fast noch in den falschen Bus gestiegen (und hatte auch die ganze Fahrt über Angst dass ich tatsächlich falsch bin und wer weiß wo rauskomme...) und als ich um halb zwölf endlich im Projekt ankam hatte ich eigentlich schon genug. Ich hab am Samstag eine wirkliche Reise unternommen, soviel ist mal sicher :D
Aber okay, wenn man schonmal alle Fehler gemacht hat macht man sie sicher nicht nochmal. Nur blöd dass ich nur übergangsweise hier wohne und diesen Weg fahre und ab nächster oder übernächster Woche nochmal anders fahren werden. Naja, wieder Raum für neue Fehler und neue Erfahrungen... ich betrachte inzwischen fast alles was ich hier erlebe als Erfahrung, so lässt sich aus allem noch irgendetwas positives herausholen... ;)
Im Projekt haben wir dann beim Nachmittags-Kinderprogramm mitgemacht. Katha war jetzt auch da, und wir haben mitgespielt und dann - wie immer - Kekse gegessen. Ich esse hier so viele Kekse wie noch nie zuvor, kann sein dass ich als großer runder Keks mit Schokofüllung wieder heimkomme... naja, zum Anbeißen war ich ja schon immer. :D
Nach effektiv zwei Stunden Arbeit bin ich dann auch schon wieder heimgefahren, binalso am Samstag doppelt so lange hin und her gefahren wie ich gearbeitet habe. Aber dass es hier nicht so sehr um Effektivität geht wie in Deutschland habe ich ja schon gemerkt, ist auch nichtmal was schlechtes finde ich... ich merke, wie ich mich hier tiefenentspanne und vieles gelassener sehen kann. Zum Beispiel war das Heimkommen auch wieder witzig, ich bin mit Katha und zwei aus dem Projekt nach Flores gefahren, weil ich nicht schon wieder alleine fahren wollte, und dann von dort aus mit dem Bus nach Belgrano. So weit ging noch alles gut, aber als ich in Belgrano ausgestiegen bin hatte ich keine Ahnung, in welcher Richtung das Haus der IERP liegt, und natürlich hatte ich auch die Hausnummer nicht. Also bin ich mal losgelaufen, natürlich in die falsche Richtung. Ich bin dann zwanzig Minuten noch durch die Gegend gewandert und hab mich durchgefragt, wo ich eigentlich nur über die Straße und um die Ecke hätte gehen müssen von da, wo ich aus dem Bus gestiegen bin, und dagewesen wäre... Tja, eine Erfahrung! So hab ich gleich mehr vom Viertel gesehen ;)
Samstagabend hatten wir Besuch von zwei anderen deutschen Freiwilligen. Wir haben hier ja so viel Platz, und es war sehr schön die Bude voll zu haben. Wir haben Sushi gemacht (ich hab das erste Mal Sushi gerollt und war wieder dermaßen stolz auf mich! :) und den Abend gemütlich verbracht. Hier ein Foto damit ihr alle neidisch sein könnt:
Rebekka beim Sushimachen :)
... und der fertig gedeckte Tisch.
Gestern waren wir dann in Tigre, einem Ort außerhalb von Buenos Aires der so das Wochenendausflugsziel schlechthin ist. Wir sind eine knappe Stunde mit dem Zug gefahren und waren in einem schönen Ort mit Wasser und Hafen (siehe Tigre-Delta, klar gibt's da Wasser... ^^) und einer großen Feria. Pünktlich und anscheinend extra für uns schien die Sonne und es war so wunderbar warm dass wir uns alle vorstellen konnten, dass hier wirklich bald der Frühling kommt. Zeit wird's, vom Frieren hab ich echt genug. Wobei das ja jetzt besser ist, wir haben hier in Belgrano Heizungen. :) Also auf jeden Fall waren wir in Tigre und haben dann eigentlich den Tag auf der Feria verbracht. Ich hab mir dicke Wollsocken und Ohrringe gekauft, einen Matebecher wollte ich auch aber ich hab nicht den passenden gefunden. Damit lasse ich mir Zeit, das soll schließlich eine Liebe für's Leben werden von der ich mich nie wieder trenne... ;)
Tigre :)
Abends sind wir wieder heimgefahren, da war ich dann auch echt fertig. Mittendrin am Tag merkt man es nicht, aber immer diese Orientierung in einem fremden Land und die Konzentration auf die Sprache und die vielen Eindrücke erschöpfen sehr schnell. Ich bin auch jetzt sehr müde, es ist inzwischen fast viertel vor zwölf. Ich muss morgen um sieben aufstehen und brauche hier mehr denn je meinen Schlaf... ich bin nach den Tagen hier im Kopf so erschöpft, weil ich die ganze Zeit so viel denke. Wenn ich erstmal geregelte Arbeitszeiten habe und die Sprache besser kann wird sich das aber bestimmt ändern. Arbeiten sollen wir diese Woche erstmal jeden Tag und uns das ganze Programm, dass es gibt, mal anschauen. Dann entscheiden wir, wo wir immer mitmachen, und dann kommen wir auch nur noch zu diesen Aktivitäten. Heute habe ich zum Beispiel bei Apoyo Escolar (Nachhilfe) reingeschnuppert und dann wieder beim Nachmittagsprogramm für Kinder mitgemacht, das von Montag bis Freitag jeden Tag ist.
Es war ein schöner Tag, diesmal ging auch mit der Fahrt immer alles gut, und das einzige was ich mir jetzt noch wünsche: Eine lange Nacht in meinem gemütichen warmen flauschigen Bett. <3 (Wenn es in Flores nciht solche Betten gibt kommen wir wieder her und nehmen eines von hier mit!)
Suerte, Rebekka
Montag, 29. August 2011
Freitag, 26. August 2011
Nachtrag: Noche de la Capacitación
Haaaalt, jetzt hab ich ja ganz vergessen von unserem wunderbaren Dienstagabend zu berichten! Der darf auf keinen Fall übergangen werden.
Am Dienstagabend hatten wir Noche de la Capacitación, unseren Abschlussabend. Wir haben ein echtes argentinisches Asado gemacht (also der Asador hat es gegrillt) und dazu Salate. Da haben uns die Argentinier allerdings ein bisschen ausgelacht, weil sie normalerweise höchstens einen Salat haben und davon dann noch was übrigbleibt, aber wir Deutschen mit vier oder fünf Schüsseln ankamen. Aber ich fand's auch ziemlich lustig, denn mal ganz ehrlich: Nur Deutsche würden auf die Idee kommen, zu einem Asado Nudelsalat zu machen... :D
Asado und el asador, also der Mann der für alles zuständig ist.
Nach dem Essen war es schon relativ spät, aber dann fing erstmal unser Programm an. Es wurde Musik gemacht, etwas vorgetanzt (Standardtanz und Breakdance!), wir haben Murga getanzt, den indianischen Tanz den wir am Montag gelernt haben, und die Sprachlehrer, die auch da waren, haben auch Musik gemacht. Danach gab's große Feierei, die Argentinier wissen wirklich wie man feiert. ;) Tanzen, feiern, Spaß haben. Es war ein wirklich schöner Abend zum Abschluss. Da ich den ganzen Nachmittag dank der Erkältung verschlafen habe, hab ich auch den ganzen Abend durchgehalten. Um halb drei haben wir dann angefangen aufzuräumen, weil wir nur die 'Genehmigung' bis da hatten. In der ISEDET wohnen ja ganz viele Studenten, die wollten verstädlicherweise auch irgendwann ihre Ruhe. Das einzig doofe war noch, dass es wieder kein warmes Wasser zum Duschen gab. Aber das Problem hab ich ja jetzt zum Glück nicht mehr ;)
So weit so gut. Das war's jetzt wirklich für heute.
¡Buenas noches!
Am Dienstagabend hatten wir Noche de la Capacitación, unseren Abschlussabend. Wir haben ein echtes argentinisches Asado gemacht (also der Asador hat es gegrillt) und dazu Salate. Da haben uns die Argentinier allerdings ein bisschen ausgelacht, weil sie normalerweise höchstens einen Salat haben und davon dann noch was übrigbleibt, aber wir Deutschen mit vier oder fünf Schüsseln ankamen. Aber ich fand's auch ziemlich lustig, denn mal ganz ehrlich: Nur Deutsche würden auf die Idee kommen, zu einem Asado Nudelsalat zu machen... :D
Asado und el asador, also der Mann der für alles zuständig ist.
Nach dem Essen war es schon relativ spät, aber dann fing erstmal unser Programm an. Es wurde Musik gemacht, etwas vorgetanzt (Standardtanz und Breakdance!), wir haben Murga getanzt, den indianischen Tanz den wir am Montag gelernt haben, und die Sprachlehrer, die auch da waren, haben auch Musik gemacht. Danach gab's große Feierei, die Argentinier wissen wirklich wie man feiert. ;) Tanzen, feiern, Spaß haben. Es war ein wirklich schöner Abend zum Abschluss. Da ich den ganzen Nachmittag dank der Erkältung verschlafen habe, hab ich auch den ganzen Abend durchgehalten. Um halb drei haben wir dann angefangen aufzuräumen, weil wir nur die 'Genehmigung' bis da hatten. In der ISEDET wohnen ja ganz viele Studenten, die wollten verstädlicherweise auch irgendwann ihre Ruhe. Das einzig doofe war noch, dass es wieder kein warmes Wasser zum Duschen gab. Aber das Problem hab ich ja jetzt zum Glück nicht mehr ;)
So weit so gut. Das war's jetzt wirklich für heute.
¡Buenas noches!
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So. Es ist halb elf, ich ich bin zurück von meinem ersten Arbeitstag in der Casa San Pablo.
Aber alles schön der Reihe nach:
Am Mittwoch gab es die große Verabschiedungsrunde und wir haben uns alle auf den Weg an unsere Stellen gemacht. Das war sehr traurig, sich schon wieder zu verabschieden und sich von Menschen zu trennen, mit denen ich in den letzten zwei Wochen viel erlebt und auch durchgestanden habe. Aber okay, es war der nächste Schritt in die richtige Richtung. Pläne für Besuche und Urlaube wurden auch schon geschmiedet, also haben wir ja was auf das wir uns freuen können :)
Carina, Konrad und ich sind mit einem Taxi nach Belgrano gefahren, zum Büro der IERP. Im Haus in dem das Büro ist gibt es auch ein Gästehaus, in dem wir die nächste Woche wohnen werden, bis wir in unsere endgültigt Wohnung in Flores einziehen können. Die Wohnung wird erst im September frei und muss noch eingerichtet werden, deshalb wohnt unsere WG jetzt übergangsweise hier in Belgrano. Gerade sitze ich in der Küche, in unserer echten Küche mit echten Tellern (keinen aus Plastik) und echten Töpfen und einer Mikrowelle und einem modernen gut funktionierenden Herd <3 In der ISEDET war es ja mit der Küche nicht mehr lange auszuhalten... zum Glück sind wir jetzt hier.
Das ist die Küche. Den Rest der Wohnung muss man sich so vorstellen: Vier Schlafzimmer mit jeweils zwei Betten, dazu zwei Bäder (eins mit Badewanne!), eine Küche und eine Art Wohnzimmer mit Sofa und großem Tisch. Außerdem gibt's noch einen Balkon. Grade haben wir alles für uns, aber es kann sein dass in eines der anderen Zimmer bald wieder jemand einzieht der zu Besuch ist. Mir gefällt es hier wirklich gut, es ist schön ein echtes festes Zuhause zu haben ;)
Gestern, also am Donnerstag, musste ich nicht arbeiten und habe mir einen wunderschönen entspannten Gammeltag gemacht. Ausschlafen, ohne Zeitdruck und mit heißem Wasser duschen, danach in Ruhe frühstücken... den Rest des Tages hab ich auf dem Sofa verbracht und mit Familie und Freunden gechattet. So ein Tag war mal nötig. An dieser Stelle mal an alle, die das lesen und mit denen ich noch nicht 'persönlich' chatten oder E-Mails schreiben konnte, einen ganz lieben Gruß! Danke dass ihr an mich denkt und euch interessiert was ich mache, es tut gut zu wissen wie viele Menschen hinter einem stehen.
Heute habe ich dann wieder ein bisschen ausgeschlafen und bin danach hoch zu Ricardo ins Büro. Ricardo ist unser Mentor und der 'Papa' für alle Freiwilligen (und er macht wirklich einen guten Job, danke! :). Wir haben Tee getrunken und ein bisschen gequatscht, danach war ich einkaufen (in der Sonne, heute war es mal nicht so kalt :) und dann hab ich noch nach Steinhof telefoniert ob alles okay ist, das war wirklich schön. Um drei kam dann Diego aus der Casa San Pablo und hat mich abgeholt, um mir den Weg zu zeigen. Der Weg zur Arbeit ist sehr lang, das ist ein bisschen nervig... ich fahre erst Subte, dann Zug und dann Bus. Aber okay, kann man nicht ändern, morgen nehme ich mir was zum Lernen und Musik mit.
In der Casa hab ich dann beim Nachmittagskinderprogramm mitgemacht. Die Kinder sind meistens sehr lieb und freuen sich, dass ich da bin. Nur wenn sie so schnell reden kann ich wenig verstehen und dann haben sie angefangen, sich über mich lustig zu machen... naja, so muss das wohl am Anfang sein :D Wir haben zuerst draußen im patio (im Hof) Seilhüpfen und Fangen gespielt und danach gab's Tee und Kekse.
Gebastelt habe ich dann mit den kleinen niñas, das war einfacher weil sie lieber und auch noch schüchterner sind. Wir haben unsere Hände auf Papier gemalt und sie dann bunt ausgemalt.
Dann war das Programm auch schon vorbei, wir haben noch kurz geredet bis alle Kinder weg waren (bzw. alle haben geredet und ich habe versucht, zu verstehen um was es geht ;) und dann wurde ich zur Bushaltestelle gebracht und in den Bus gesetzt. Den Weg mit Zug und Subte bin ich dann ganz alleine gefahren, und es ist alles gut gegangen und ich bin sicher angekommen. Darauf bin ich schon ein bisschen stolz :) Ich finde mich jetzt schon relativ gut in der Stadt zurecht.
Achja, stolz bin ich übrigens auch wegen gestern: Ich habe gekocht und es wurde für gut befunden! Jajaa, meine lieben Geschwister, da schaut ihr. Nicht alle denken dass ich so eine Niete in der Küche bin :P
Morgen früh fahre ich wieder ins Projekt, dann wird meine Mitfreiwillige auch da sein. Ich schreibe bald wieder, aber jetzt muss ich erstmal duschen und dann ins Bett... man glaubt gar nicht, wie anstrengend diese ständige Konzentration ist. Aber ich verstehe ja schon sehr viel, das freut mich wirklich.
Heute war ein guter Tag, hoffentlich folgen noch viele von denen! :)
Un abrazo, Rebekka
Aber alles schön der Reihe nach:
Am Mittwoch gab es die große Verabschiedungsrunde und wir haben uns alle auf den Weg an unsere Stellen gemacht. Das war sehr traurig, sich schon wieder zu verabschieden und sich von Menschen zu trennen, mit denen ich in den letzten zwei Wochen viel erlebt und auch durchgestanden habe. Aber okay, es war der nächste Schritt in die richtige Richtung. Pläne für Besuche und Urlaube wurden auch schon geschmiedet, also haben wir ja was auf das wir uns freuen können :)
Carina, Konrad und ich sind mit einem Taxi nach Belgrano gefahren, zum Büro der IERP. Im Haus in dem das Büro ist gibt es auch ein Gästehaus, in dem wir die nächste Woche wohnen werden, bis wir in unsere endgültigt Wohnung in Flores einziehen können. Die Wohnung wird erst im September frei und muss noch eingerichtet werden, deshalb wohnt unsere WG jetzt übergangsweise hier in Belgrano. Gerade sitze ich in der Küche, in unserer echten Küche mit echten Tellern (keinen aus Plastik) und echten Töpfen und einer Mikrowelle und einem modernen gut funktionierenden Herd <3 In der ISEDET war es ja mit der Küche nicht mehr lange auszuhalten... zum Glück sind wir jetzt hier.
Das ist die Küche. Den Rest der Wohnung muss man sich so vorstellen: Vier Schlafzimmer mit jeweils zwei Betten, dazu zwei Bäder (eins mit Badewanne!), eine Küche und eine Art Wohnzimmer mit Sofa und großem Tisch. Außerdem gibt's noch einen Balkon. Grade haben wir alles für uns, aber es kann sein dass in eines der anderen Zimmer bald wieder jemand einzieht der zu Besuch ist. Mir gefällt es hier wirklich gut, es ist schön ein echtes festes Zuhause zu haben ;)
Gestern, also am Donnerstag, musste ich nicht arbeiten und habe mir einen wunderschönen entspannten Gammeltag gemacht. Ausschlafen, ohne Zeitdruck und mit heißem Wasser duschen, danach in Ruhe frühstücken... den Rest des Tages hab ich auf dem Sofa verbracht und mit Familie und Freunden gechattet. So ein Tag war mal nötig. An dieser Stelle mal an alle, die das lesen und mit denen ich noch nicht 'persönlich' chatten oder E-Mails schreiben konnte, einen ganz lieben Gruß! Danke dass ihr an mich denkt und euch interessiert was ich mache, es tut gut zu wissen wie viele Menschen hinter einem stehen.
Heute habe ich dann wieder ein bisschen ausgeschlafen und bin danach hoch zu Ricardo ins Büro. Ricardo ist unser Mentor und der 'Papa' für alle Freiwilligen (und er macht wirklich einen guten Job, danke! :). Wir haben Tee getrunken und ein bisschen gequatscht, danach war ich einkaufen (in der Sonne, heute war es mal nicht so kalt :) und dann hab ich noch nach Steinhof telefoniert ob alles okay ist, das war wirklich schön. Um drei kam dann Diego aus der Casa San Pablo und hat mich abgeholt, um mir den Weg zu zeigen. Der Weg zur Arbeit ist sehr lang, das ist ein bisschen nervig... ich fahre erst Subte, dann Zug und dann Bus. Aber okay, kann man nicht ändern, morgen nehme ich mir was zum Lernen und Musik mit.
In der Casa hab ich dann beim Nachmittagskinderprogramm mitgemacht. Die Kinder sind meistens sehr lieb und freuen sich, dass ich da bin. Nur wenn sie so schnell reden kann ich wenig verstehen und dann haben sie angefangen, sich über mich lustig zu machen... naja, so muss das wohl am Anfang sein :D Wir haben zuerst draußen im patio (im Hof) Seilhüpfen und Fangen gespielt und danach gab's Tee und Kekse.
Gebastelt habe ich dann mit den kleinen niñas, das war einfacher weil sie lieber und auch noch schüchterner sind. Wir haben unsere Hände auf Papier gemalt und sie dann bunt ausgemalt.
Dann war das Programm auch schon vorbei, wir haben noch kurz geredet bis alle Kinder weg waren (bzw. alle haben geredet und ich habe versucht, zu verstehen um was es geht ;) und dann wurde ich zur Bushaltestelle gebracht und in den Bus gesetzt. Den Weg mit Zug und Subte bin ich dann ganz alleine gefahren, und es ist alles gut gegangen und ich bin sicher angekommen. Darauf bin ich schon ein bisschen stolz :) Ich finde mich jetzt schon relativ gut in der Stadt zurecht.
Achja, stolz bin ich übrigens auch wegen gestern: Ich habe gekocht und es wurde für gut befunden! Jajaa, meine lieben Geschwister, da schaut ihr. Nicht alle denken dass ich so eine Niete in der Küche bin :P
Morgen früh fahre ich wieder ins Projekt, dann wird meine Mitfreiwillige auch da sein. Ich schreibe bald wieder, aber jetzt muss ich erstmal duschen und dann ins Bett... man glaubt gar nicht, wie anstrengend diese ständige Konzentration ist. Aber ich verstehe ja schon sehr viel, das freut mich wirklich.
Heute war ein guter Tag, hoffentlich folgen noch viele von denen! :)
Un abrazo, Rebekka
Dienstag, 23. August 2011
Letzter Tag
Tadaa.
Da ist er nun, der Moment der Wahrheit: Wir nähern uns dem Ende der Capacitación.
Morgen nachmittag machen wir uns allle 50 auf den Weg zu unseren Projekten. Einige müssen nicht sehr weit fahren (so wie ich, ich bleibe im selben Stadtteil hier in Buenos Aires) und andere haben noch eine richtige Odysee vor sich (nach Paraguay, Uruguay oder ins Chaco im Norden Argentiniens).
Heute morgen hatten wir das letzte Mal Sprachkurs. Wir haben tortitas negras gebacken, das sind süße Brötchen. Sie waren am Ende nicht soo gut, deshalb mussten wir viel dulce de leche draufschmieren :D das hat dann umso besser geschmeckt. Unsere Sprachlehrer haben sich mit einem Video und einem kleinen Geschenk von uns verabschiedet. Ich bin Señorita Invierno, weil ich meine Abschlussarbeit über den Winter in Buenos Aires gehalten habe, und deshalb habe ich Handschuhe geschenkt bekommen. :) Die sind schön warm und für den Restwinter kann ich sie noch gut gebrauchen.
Danach haben alle Gruppen des Sprachkurses zusammen ein canasta gemacht, also eine Art Picknick (canasta heißt Korb). Jeder hat was zu Essen mitgebracht, außerdem hatten wir ja noch die tortitas negras und Brote, die andere Gruppen des Sprachkurses gemacht haben. Ich war übrigens Niveau Mafalda und in der Kleingruppe Felipe. Felipe ist ebenfalls eine Figur aus den Mafalda-Comics. Mafalda ist hier sowas wie das Volksmaskottchen, jeder kennt sie und jeder liebt sie. Es gibt Mafalda-T-Shirts, Mafalda-Anstecker, Mafalda-Socken, eigentlich alles was man sich vorstellen kann. Sie ist ja auch irgendwie witzig ;)
Hier nur ein kleines Beispiel:
1. Mafalda will wissen, wieso sie etwas tun muss, was ihre Mutter ihr aufgetragen hat.
2. Ihre Mutter schreit: "Weil ich deine Mutter bin und sage, was du tun musst!"
3. Mafalda weist darauf hin, dass sie die Tochter ist...
4. ... und dass ihres Wissens nach sie beide ihren "Abschluss" (als Mutter und Tochter) am gleichen Tag gemacht haben ...
Das war die grobe Übersetzung, ich hoffe der Witz geht dadurch nicht ganz verloren... ;)
Es gibt noch so viele von diesem Comics, es geht um Politik, alltägliches Leben, Freunde und Feinde, Familie oder aktuelle gesellschaftliche Themen. Wen es interessiert: Suchmaschinen spucken bei dem Begriff Mafalda eine ganze Menge aus!
Soweit also dazu. Wo war ich? Achja, das "Picknick". Wir saßen dann alle zusammmen im comedor (dem Aufenthaltsraum) und haben gegessen und geredet. Danach gab es die feierliche Vergabe der Zertifikate für den Sprachkurs, mit passender Musik dazu (we are the champions! :) und Fotos mit den Sprachlehrern. Es war wie Abiverleihung II... jetzt habe ich anscheinend das Niveau C nach europäischem Referenzrahmen erreicht und kann guten Gewissens auf eine Welt losgelassen werden, die kein Wort Deutsch versteht. Mal sehen wie das funktionieren wird. Aber eigentlich mache ich mir keine großen Sorgen, ich verstehe sehr viel, meistens eigentlich alles, und reden kann ich auch ganz gut. Ist dann zwar grammatikalisch nicht richtig, aber was soll's, Hauptsache ich erreiche was ich will.
Jetzt ist eigentliche Gelbfieberimpfung angesagt, aber ich habe mir pünktlich zu diesem Termin eine Erkältung eingefangen, deshalb konnte ich mich dem fröhlichen Impfausflug nicht anschließen. Aber man kann das hier immer kostenlos machen lassen, also hole ich das noch nach. Das mit der Erkältung nervt mich allerdings schon ein wenig, ich hab die zwei Wochen in diesem eiskalten Haus jetzt durchgehalten und hatte gehofft bis morgen krieg ich's auch noch hin. Aber okay, kann man nichts machen, muss ich halt Geduld haben. Jetzt gehe ich erstmal ein wenig schlafen, damit ich später für die Noche de Capacitación, unseren Abschlussabend, fit bin.
Que te vayas bien!
Da ist er nun, der Moment der Wahrheit: Wir nähern uns dem Ende der Capacitación.
Morgen nachmittag machen wir uns allle 50 auf den Weg zu unseren Projekten. Einige müssen nicht sehr weit fahren (so wie ich, ich bleibe im selben Stadtteil hier in Buenos Aires) und andere haben noch eine richtige Odysee vor sich (nach Paraguay, Uruguay oder ins Chaco im Norden Argentiniens).
Heute morgen hatten wir das letzte Mal Sprachkurs. Wir haben tortitas negras gebacken, das sind süße Brötchen. Sie waren am Ende nicht soo gut, deshalb mussten wir viel dulce de leche draufschmieren :D das hat dann umso besser geschmeckt. Unsere Sprachlehrer haben sich mit einem Video und einem kleinen Geschenk von uns verabschiedet. Ich bin Señorita Invierno, weil ich meine Abschlussarbeit über den Winter in Buenos Aires gehalten habe, und deshalb habe ich Handschuhe geschenkt bekommen. :) Die sind schön warm und für den Restwinter kann ich sie noch gut gebrauchen.
Danach haben alle Gruppen des Sprachkurses zusammen ein canasta gemacht, also eine Art Picknick (canasta heißt Korb). Jeder hat was zu Essen mitgebracht, außerdem hatten wir ja noch die tortitas negras und Brote, die andere Gruppen des Sprachkurses gemacht haben. Ich war übrigens Niveau Mafalda und in der Kleingruppe Felipe. Felipe ist ebenfalls eine Figur aus den Mafalda-Comics. Mafalda ist hier sowas wie das Volksmaskottchen, jeder kennt sie und jeder liebt sie. Es gibt Mafalda-T-Shirts, Mafalda-Anstecker, Mafalda-Socken, eigentlich alles was man sich vorstellen kann. Sie ist ja auch irgendwie witzig ;)
Hier nur ein kleines Beispiel: 1. Mafalda will wissen, wieso sie etwas tun muss, was ihre Mutter ihr aufgetragen hat.
2. Ihre Mutter schreit: "Weil ich deine Mutter bin und sage, was du tun musst!"
3. Mafalda weist darauf hin, dass sie die Tochter ist...
4. ... und dass ihres Wissens nach sie beide ihren "Abschluss" (als Mutter und Tochter) am gleichen Tag gemacht haben ...
Das war die grobe Übersetzung, ich hoffe der Witz geht dadurch nicht ganz verloren... ;)
Es gibt noch so viele von diesem Comics, es geht um Politik, alltägliches Leben, Freunde und Feinde, Familie oder aktuelle gesellschaftliche Themen. Wen es interessiert: Suchmaschinen spucken bei dem Begriff Mafalda eine ganze Menge aus!
Soweit also dazu. Wo war ich? Achja, das "Picknick". Wir saßen dann alle zusammmen im comedor (dem Aufenthaltsraum) und haben gegessen und geredet. Danach gab es die feierliche Vergabe der Zertifikate für den Sprachkurs, mit passender Musik dazu (we are the champions! :) und Fotos mit den Sprachlehrern. Es war wie Abiverleihung II... jetzt habe ich anscheinend das Niveau C nach europäischem Referenzrahmen erreicht und kann guten Gewissens auf eine Welt losgelassen werden, die kein Wort Deutsch versteht. Mal sehen wie das funktionieren wird. Aber eigentlich mache ich mir keine großen Sorgen, ich verstehe sehr viel, meistens eigentlich alles, und reden kann ich auch ganz gut. Ist dann zwar grammatikalisch nicht richtig, aber was soll's, Hauptsache ich erreiche was ich will.
Jetzt ist eigentliche Gelbfieberimpfung angesagt, aber ich habe mir pünktlich zu diesem Termin eine Erkältung eingefangen, deshalb konnte ich mich dem fröhlichen Impfausflug nicht anschließen. Aber man kann das hier immer kostenlos machen lassen, also hole ich das noch nach. Das mit der Erkältung nervt mich allerdings schon ein wenig, ich hab die zwei Wochen in diesem eiskalten Haus jetzt durchgehalten und hatte gehofft bis morgen krieg ich's auch noch hin. Aber okay, kann man nichts machen, muss ich halt Geduld haben. Jetzt gehe ich erstmal ein wenig schlafen, damit ich später für die Noche de Capacitación, unseren Abschlussabend, fit bin.
Que te vayas bien!
Montag, 22. August 2011
Bilder
Hier kommen noch ein paar Bilder bevor ich schlafen gehe, mehr Berichte kommen in den nächsten Tagen ;)
- im Menschenrechtsbüro MEDH (das hinter mir sind alles Filme über die argentinische Geschichte, und es gibt noch mehr Bücher auf der anderen Seite des Raumes: Ein Paradies!)
- auf dem Tangofestival in Recoleta mit Doris
- im Menschenrechtsbüro MEDH (das hinter mir sind alles Filme über die argentinische Geschichte, und es gibt noch mehr Bücher auf der anderen Seite des Raumes: Ein Paradies!)
- auf dem Tangofestival in Recoleta mit Doris
Mittwoch, 17. August 2011
Bilder
noch der Blick aus dem Flieger - jetzt ist auch klar, welcher Teil des Flugzeugs den Kondensstreifen erzeugt :)
Das andere Bild mag grade nicht laden, ich versuch's wannanders nochmal...
Das andere Bild mag grade nicht laden, ich versuch's wannanders nochmal...
Es ist Winter.
Hola :)
Es ist halb neun und ich warte sehnsüchtig darauf, dass es was zu essen gibt. Nicolás, ein Argentinier der nächste Woche nach Deutschland fliegt und dort Freiwilligendienst macht (also genau 'andersrum' als wir) macht heute für uns alle empanadas, das sind gefüllte Teigtaschen. Aber jetzt müssen sie bald fertig sein, sonst fange ich an meinen Kuli zu essen...
Aber gut, so bleibt noch ein bisschen Zeit um diesen kleinen Blog auf den neuesten Stand zu bringen. Heute haben wir im Sprachkurs Tabu gespielt, was wirklich sehr witzig war. Es ist schon auf deutsch oft lustig genug, wenn jemand Wörter erklärt, ohne dabei bestimmte deutsche Wörter sagen zu dürfen, und jetzt stellt euch das Ganze mal aus spanisch vor! Der größte Lacher war allerdings, dass wir alle fast die Hälfte der Karten weglegen mussten, weil wir einfach nicht wussten, was die Wörter dadrauf bedeuten... aber okay, da sieht man wieso wir diesen Sprachkurs machen...
Außerdem haben wir heute Körperteile gelernt und wie man sich ausdrückt, wenn man zum Arzt muss. Überhaupt erstmal wann man zu welchem Arzt gehen muss und wie man dann sagt, was einem wehtut. Ich hoffe sehr, dass ich diese Vokabeln in dem Jahr nicht anbringen muss, aber es ist gut das System und die Begriffe zu kennen.
Nachmittags hatten wir Voluntariado, sprich eine Einheit über allgemeine Sachen zum Freiwilligenprogramm und unserer Zeit hier. Die Sprachlehrer haben Situationen vorgespielt, in die wir kommen könnten, und wir haben dann darüber geredet. Zum Beispiel ging es einmal um Drogen, einmal darum wie man sich verhält wenn ein/e Argentinie/in zu aufdringlich wird und einen quasi abschleppen will, wie man reagiert wenn man lauter Fragen gestellt bekommt, die sich aus Vorurteilen gegenüber Deutschen begründen ("Habt ihr wirklich alle ein eigenes Flugzeug in Deutschland?", "Wie viel Geld hast du?", "Bist du auch Nazi?"). Das war natürlich alles schon sehr übertrieben und krass dargestellt, aber Situationen dieser Art hat es im Programm schon immer gegeben und wird es wohl auch immer geben. Also ist es gut, wenn man mal darüber gesprochen hat.
Danach haben wir einen Film über Neoliberalismus angeschaut und danach über Argentinien und den Neoliberalismus gesprochen. Es ist ein spannendes Thema, aber den Film in einem kalten dunklen Raum anzuschauen war sehr anstrengend. Überhaupt bin ich hier fast immer müde, weil wir abends noch zusammensitzen und nicht so bald ins Bett gehen und es außerdem so anstrengend ist, hier alles zu verarbeiten den Tag über und man dann automatisch nochmal erschöpfter ist. Aber das wird auch besser werden, ich muss nur mal meinen Rhythmus finden :)
Sehr anstrengend ist auch, dass es einfach so kalt ist. Ich habe so viel übereinander an und trotzdem ist es immer wieder SO kalt. Das Problem ist halt, dass es drinnen auch so kalt ist. Sonst ist es draußen nicht kälter als im Winter in Deutschland, aber dass man nie mal in einen warmen Raum kommt macht die Sache doof. Ich hab schon Muskelkater vom Frieren! Vermutlich hat auch das Busfahren dazu beigetragen, es ist einfach alles zusammen. Aber es gibt einen Lichtblick: In einem Monat wird es wärmer! Hoffentlich.
Na dann, mal sehen ob die E-Mails wieder funktionieren, das Internet hier macht eigentlich immer was es gerade will. Es ist halt argentinisch! :D
Un abrazo, Rebekka
Es ist halb neun und ich warte sehnsüchtig darauf, dass es was zu essen gibt. Nicolás, ein Argentinier der nächste Woche nach Deutschland fliegt und dort Freiwilligendienst macht (also genau 'andersrum' als wir) macht heute für uns alle empanadas, das sind gefüllte Teigtaschen. Aber jetzt müssen sie bald fertig sein, sonst fange ich an meinen Kuli zu essen...
Aber gut, so bleibt noch ein bisschen Zeit um diesen kleinen Blog auf den neuesten Stand zu bringen. Heute haben wir im Sprachkurs Tabu gespielt, was wirklich sehr witzig war. Es ist schon auf deutsch oft lustig genug, wenn jemand Wörter erklärt, ohne dabei bestimmte deutsche Wörter sagen zu dürfen, und jetzt stellt euch das Ganze mal aus spanisch vor! Der größte Lacher war allerdings, dass wir alle fast die Hälfte der Karten weglegen mussten, weil wir einfach nicht wussten, was die Wörter dadrauf bedeuten... aber okay, da sieht man wieso wir diesen Sprachkurs machen...
Außerdem haben wir heute Körperteile gelernt und wie man sich ausdrückt, wenn man zum Arzt muss. Überhaupt erstmal wann man zu welchem Arzt gehen muss und wie man dann sagt, was einem wehtut. Ich hoffe sehr, dass ich diese Vokabeln in dem Jahr nicht anbringen muss, aber es ist gut das System und die Begriffe zu kennen.
Nachmittags hatten wir Voluntariado, sprich eine Einheit über allgemeine Sachen zum Freiwilligenprogramm und unserer Zeit hier. Die Sprachlehrer haben Situationen vorgespielt, in die wir kommen könnten, und wir haben dann darüber geredet. Zum Beispiel ging es einmal um Drogen, einmal darum wie man sich verhält wenn ein/e Argentinie/in zu aufdringlich wird und einen quasi abschleppen will, wie man reagiert wenn man lauter Fragen gestellt bekommt, die sich aus Vorurteilen gegenüber Deutschen begründen ("Habt ihr wirklich alle ein eigenes Flugzeug in Deutschland?", "Wie viel Geld hast du?", "Bist du auch Nazi?"). Das war natürlich alles schon sehr übertrieben und krass dargestellt, aber Situationen dieser Art hat es im Programm schon immer gegeben und wird es wohl auch immer geben. Also ist es gut, wenn man mal darüber gesprochen hat.
Danach haben wir einen Film über Neoliberalismus angeschaut und danach über Argentinien und den Neoliberalismus gesprochen. Es ist ein spannendes Thema, aber den Film in einem kalten dunklen Raum anzuschauen war sehr anstrengend. Überhaupt bin ich hier fast immer müde, weil wir abends noch zusammensitzen und nicht so bald ins Bett gehen und es außerdem so anstrengend ist, hier alles zu verarbeiten den Tag über und man dann automatisch nochmal erschöpfter ist. Aber das wird auch besser werden, ich muss nur mal meinen Rhythmus finden :)
Sehr anstrengend ist auch, dass es einfach so kalt ist. Ich habe so viel übereinander an und trotzdem ist es immer wieder SO kalt. Das Problem ist halt, dass es drinnen auch so kalt ist. Sonst ist es draußen nicht kälter als im Winter in Deutschland, aber dass man nie mal in einen warmen Raum kommt macht die Sache doof. Ich hab schon Muskelkater vom Frieren! Vermutlich hat auch das Busfahren dazu beigetragen, es ist einfach alles zusammen. Aber es gibt einen Lichtblick: In einem Monat wird es wärmer! Hoffentlich.
Na dann, mal sehen ob die E-Mails wieder funktionieren, das Internet hier macht eigentlich immer was es gerade will. Es ist halt argentinisch! :D
Un abrazo, Rebekka
Dienstag, 16. August 2011
Sodale.
Jetzt gibt es diesen kleinen Blog hier, aber ich hab so wenig Zeit, dass ich eigentlich nicht dazu komme hier was zu schreiben...
Heute ist Dienstag, und gerade ist es zehn nach elf. Heute morgen hatten wir Sprachkurs und haben zum ersten Mal seit wir da sind Hausaufgaben aufbekommen! Sofort fühle ich mich als wäre ich wieder in der Schule :D Naja aber das hier soll ja für das gesamte nächste Jahr was bringen, also mache ich mit so gut es möglich ist. Leider merke ich im Moment, dass mein Schlafdefizit doch größer ist als gedacht und eigentlich bin ich deshalb grade auch schon im Bett. ;) Heute Nacht sollte ich mal ein bisschen länger schlafen, es ist nur so blöd irgendwann einfach zu gehen wenn wir abends alle zusammensitzen. Mal sehen ob es heute was wird...
Nachmittags waren wir in der MEDH, im kirchlichen Büro für Menschenrechte in Buenos Aires. Dort haben wir uns mit Arturo getroffen, der schon letzte Woche einen Vortrag über die Geschichte Südamerikas bei uns gehalten hat. Heute ging es um die Verschwundenen in der Geschichte Argentiniens, dabei natürlich vor allem um die Militärdiktatur 1976-1983. Ich hab daheim schon viel darüber gelesen, aber hier zu sein und mit Menschen zu reden, die selbst unmittelbar von den Geschehnissen betroffen waren, deren Freunde und Verwandte verschwunden sind oder die selbst gefoltert wurden, ist nochmal etwas ganz anderes. Es macht die Sache viel realer.
Mich hat am meisten bewegt und beeindruckt, als Arturo uns die Geschichte von Elisabeth Käsemann erzählt hat. Das meiste wusste ich schon, schließlich ist sie die berühmteste deutsche Verschwundene, aber eines wusste ich nicht: Dass Elisabeth Käsemann in der ISEDET gewohnt hat, als sie nach Argentinien kam, genau hier, wo wir jetzt auch wohnen. Wenn ich mir das vorstelle, dass sie vielleicht an genau diesem Platz, an dem ich jetzt sitze, gewesen ist, wird mir ganz anders. Es macht mir bewusst, welches Glück ich habe, dass ich die Arbeit in einem sozialen Projekt hier machen kann, ohne deshalb negative Konsequenzen fürchten zu müssen.
(Wen es interessiert: Newsletter zum Fall Käsemann die erste Seite gleich, ist eine PDF-Datei und beleuchtet den Fall Käsemann.)
Auf dem Rückweg von der MEDH konnten wir nicht mit der Subte (so heißt die U-Bahn hier) fahren, weil die Strecke aus welchen Gründen auch immer gesperrt war. Deshalb haben wir einen Bus gesucht, der in die richtige Richtung fährt. Das Problem war: Wir waren dann um viertel sieben zur Stoßzeit unterwegs und alle Busse unserer Linie, die kamen, waren so voll dass immer nur ein paar Leute einsteigen konnten und die Schlange für den Bus wurde immer länger. Hier stellen sich übrigens alle ganz geordnet in eine Reihe, um in den Bus zu kommen, als wer zuerst da war kommt auch zuerst rein. Wenn man keine schöne Reihe macht, wissen die Argentinier nicht mehr, was los ist, und werden ganz aufgeregt, also kann man mit einer größeren Gruppe die Busfahrenden ganz schön durcheinander bringen... ;)
Aber das nur am Rande, das Ende von der Geschichte war dass wir fast eine Stunde auf den Bus warten mussten während es schweinekalt war und geregnet hat. Als wir endlich im Bus waren mussten wir "nur noch" eine dreiviertel Stunde stehen, um zur ISEDET zu kommen... eine Reise durch diese Stadt gleicht schon irgendwie immer einer halben Weltreise, zumindest als Europäer.
Als wir endlich im Haus waren, haben wir schnell was zu essen gemacht (Ofenkartoffeln mit Gemüse, jaaam :) und danach haben wir eine Tangotanzstunde gehabt. Zwei der Freiwilligen tanzen schon länger und haben uns den Tango Argentino beigebracht (ähem... bzw. es versucht). Leider war akuter Männermangel, weshalb ich meistens den männlichen Part tanzen musste. Vielleicht darf ich in der nächsten Stunde auch mal die Frauenschritte tanzen ;)
Das war's soweit von hier, bald mehr!
Rebekka
Jetzt gibt es diesen kleinen Blog hier, aber ich hab so wenig Zeit, dass ich eigentlich nicht dazu komme hier was zu schreiben...
Heute ist Dienstag, und gerade ist es zehn nach elf. Heute morgen hatten wir Sprachkurs und haben zum ersten Mal seit wir da sind Hausaufgaben aufbekommen! Sofort fühle ich mich als wäre ich wieder in der Schule :D Naja aber das hier soll ja für das gesamte nächste Jahr was bringen, also mache ich mit so gut es möglich ist. Leider merke ich im Moment, dass mein Schlafdefizit doch größer ist als gedacht und eigentlich bin ich deshalb grade auch schon im Bett. ;) Heute Nacht sollte ich mal ein bisschen länger schlafen, es ist nur so blöd irgendwann einfach zu gehen wenn wir abends alle zusammensitzen. Mal sehen ob es heute was wird...
Nachmittags waren wir in der MEDH, im kirchlichen Büro für Menschenrechte in Buenos Aires. Dort haben wir uns mit Arturo getroffen, der schon letzte Woche einen Vortrag über die Geschichte Südamerikas bei uns gehalten hat. Heute ging es um die Verschwundenen in der Geschichte Argentiniens, dabei natürlich vor allem um die Militärdiktatur 1976-1983. Ich hab daheim schon viel darüber gelesen, aber hier zu sein und mit Menschen zu reden, die selbst unmittelbar von den Geschehnissen betroffen waren, deren Freunde und Verwandte verschwunden sind oder die selbst gefoltert wurden, ist nochmal etwas ganz anderes. Es macht die Sache viel realer.
Mich hat am meisten bewegt und beeindruckt, als Arturo uns die Geschichte von Elisabeth Käsemann erzählt hat. Das meiste wusste ich schon, schließlich ist sie die berühmteste deutsche Verschwundene, aber eines wusste ich nicht: Dass Elisabeth Käsemann in der ISEDET gewohnt hat, als sie nach Argentinien kam, genau hier, wo wir jetzt auch wohnen. Wenn ich mir das vorstelle, dass sie vielleicht an genau diesem Platz, an dem ich jetzt sitze, gewesen ist, wird mir ganz anders. Es macht mir bewusst, welches Glück ich habe, dass ich die Arbeit in einem sozialen Projekt hier machen kann, ohne deshalb negative Konsequenzen fürchten zu müssen.
(Wen es interessiert: Newsletter zum Fall Käsemann die erste Seite gleich, ist eine PDF-Datei und beleuchtet den Fall Käsemann.)
Auf dem Rückweg von der MEDH konnten wir nicht mit der Subte (so heißt die U-Bahn hier) fahren, weil die Strecke aus welchen Gründen auch immer gesperrt war. Deshalb haben wir einen Bus gesucht, der in die richtige Richtung fährt. Das Problem war: Wir waren dann um viertel sieben zur Stoßzeit unterwegs und alle Busse unserer Linie, die kamen, waren so voll dass immer nur ein paar Leute einsteigen konnten und die Schlange für den Bus wurde immer länger. Hier stellen sich übrigens alle ganz geordnet in eine Reihe, um in den Bus zu kommen, als wer zuerst da war kommt auch zuerst rein. Wenn man keine schöne Reihe macht, wissen die Argentinier nicht mehr, was los ist, und werden ganz aufgeregt, also kann man mit einer größeren Gruppe die Busfahrenden ganz schön durcheinander bringen... ;)
Aber das nur am Rande, das Ende von der Geschichte war dass wir fast eine Stunde auf den Bus warten mussten während es schweinekalt war und geregnet hat. Als wir endlich im Bus waren mussten wir "nur noch" eine dreiviertel Stunde stehen, um zur ISEDET zu kommen... eine Reise durch diese Stadt gleicht schon irgendwie immer einer halben Weltreise, zumindest als Europäer.
Als wir endlich im Haus waren, haben wir schnell was zu essen gemacht (Ofenkartoffeln mit Gemüse, jaaam :) und danach haben wir eine Tangotanzstunde gehabt. Zwei der Freiwilligen tanzen schon länger und haben uns den Tango Argentino beigebracht (ähem... bzw. es versucht). Leider war akuter Männermangel, weshalb ich meistens den männlichen Part tanzen musste. Vielleicht darf ich in der nächsten Stunde auch mal die Frauenschritte tanzen ;)
Das war's soweit von hier, bald mehr!
Rebekka
Sonntag, 14. August 2011
Kreative Phase
So, hier ist er nun: Rebekkas Blog!
Eigentlich wollte ich ja keinen schreiben, aber da ich mich nun dabei ertappe dass ich zehn Leuten am gleichen Tag zu sieben verschiedenen Zeiten genau die gleiche Geschichte erzähle, erscheint mir eine Plattform wo jeder nachlesen kann, den es interessiert, doch irgendwie sinnvoll... Daher fange ich heute damit an. :)
Dieser Blog wird von nun an in unregelmäßigen Abständen Lageberichte über mein großes Abenteuer in Argentinien enthalten. Wenn es euch interessiert, lest und schreibt mir was dazu, und wenn nicht müsst ihr es ja nicht lesen :D
Im Moment befinde ich mich in der ISEDET, einer theologischen Fakultät in Buenos Aires. Hier haben wir unser Anfangsseminar, die sogenannte Capacitación. Sie wird noch bis 24.08. dauern und danach ziehe ich mit zwei anderen Freiwilligen in eine WG ein paar cuadras von hier (hier sagt man nicht Blocks, sondern cuadras).
Gerade ist es halb sieben und ich mache mich jetzt auf die Suche nach was zu essen.
Bald mehr!
Eigentlich wollte ich ja keinen schreiben, aber da ich mich nun dabei ertappe dass ich zehn Leuten am gleichen Tag zu sieben verschiedenen Zeiten genau die gleiche Geschichte erzähle, erscheint mir eine Plattform wo jeder nachlesen kann, den es interessiert, doch irgendwie sinnvoll... Daher fange ich heute damit an. :)
Dieser Blog wird von nun an in unregelmäßigen Abständen Lageberichte über mein großes Abenteuer in Argentinien enthalten. Wenn es euch interessiert, lest und schreibt mir was dazu, und wenn nicht müsst ihr es ja nicht lesen :D
Im Moment befinde ich mich in der ISEDET, einer theologischen Fakultät in Buenos Aires. Hier haben wir unser Anfangsseminar, die sogenannte Capacitación. Sie wird noch bis 24.08. dauern und danach ziehe ich mit zwei anderen Freiwilligen in eine WG ein paar cuadras von hier (hier sagt man nicht Blocks, sondern cuadras).
Gerade ist es halb sieben und ich mache mich jetzt auf die Suche nach was zu essen.
Bald mehr!
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