Montag, 24. Oktober 2011

im Zeitraffer I

Da ich euch trotzdem nicht vorenthalten will, WAS ich denn nun alles tolles in der letzten Zeit getan habe, kommt hier nun eine Darstellung im Zeitraffer. Vorhang auf!

- Donnerstag, 13.10.11: Morgens Arbeit im Büro der IERP. Ich weiß nicht ob ich es schonmal erzählt habe, aber ich arbeite bei der Vida Abundante, der Kirchenzeitschrift der Iglesia Evángelica del Río de la Plata, mit. Es gibt darin einen deutschen Teil, und im Team für diesen Teil helfe ich mit. Die meiste Zeit korrigiere oder übersetze ich Texte, manchmal bringe ich auch Texte in die richtige Form oder suche Bilder. Dafür bin ich jeden Donnerstag im Büro und fahre dann von dort in die Arbeit (sehr praktisch dass ich bereits dort gewohnt habe und daher den Weg in die Arbeit von Belgrano aus kenne). Arbeitstag bestand aus reunión, um die kommende Woche zu besprechen, und manos con colores mit den Jugendlichen. Wir haben das Muttertagsgeschenk beendet, das bereits angefangen war, eine Flasche mit buntem Papier beklebt, in die eine Blume gesteckt wurde und eine Karte drangehängt wurde. Abends sind wir dann direkt nach der Arbeit nach Palermo gefahren, dort war ein Tandem-Treffen der Organisation Hola-Hallo. Zu diesem Treffen kommen Argentiner, die deutsch lernen, und Deutsche, die argentinisch lernen. Ziel ist einfach der Austausch und das Üben der Sprache. Ich habe viele interessante Leute kennengelernt, auch viele Deutsche die es aus welchen Gründen auch immer nach Buenos Aires verschlagen hat, und den ganzen Abend lang nur geplappert. Man könnte sagen ich war ziemlich in meinem Element bei einer Party bei der es ums Reden geht ;D War auf jeden Fall gut, und das ist immer wieder mal, da werden wir das nächste Mal wahrscheinlich auch hingehen :)

- Freitag, 14.10.11: Ein wunderschöner Tag im Projekt ♥ steht zumindest in meinem Tagebuch mit Herzchen außenrum. Dem glaub ich mal, aber was genau das tolle war weiß ich leider nicht mehr, ich erlebe so viele wunderbare Tage in San Pablo dass ich sie schwer auseinanderhalten kann :) Gute Nachricht vom Freitag: Das Care-Paket aus Deutschland ist sicher in Argentinien angekommen. Schlechte Nachricht: Als sie es bringen wollten war keiner da um es anzunehmen, daher haben sie es wieder mitgenommen und in die zentrale Poststelle nach Retiro gebracht, wo ich es nun abholen muss. Dazu später noch mehr...
Den Abend habe ich mit Carina auf unserem Balkon verbracht, wir haben Musik gehört, die Sterne bewundert und Armbänder geknotet. Sehr schön :)

- Samstag, 15.10.11: Tag im Projekt. Kinderprogramm und danach Kino, das die Jugendgruppe organisiert hat. Sie wollen damit Geld einnehmen für einen Ausflug, der geplant ist (werde ich wahrscheinlich auch mitfahren). Ich habe zwar eine Karte gekauft, aber letzten Endes nicht wirklich den Film mit angeschaut, weil ich ihn erstens nicht verstanden habe und ihn zweitens auch uninteressant fand, und außerdem stand ich die meiste Zeit in der Küche und hab Popcorn gemacht, weil ich irgendwie die einzige war die eine Ahnung hatte wie das geht :D Ich stelle hier fest dass ich mich in der Küche sehr viel besser auskenne als ich immer dachte, ich denke ich habe da passiv einiges von den außergewöhnlichen Fähigkeiten meiner Mama mitbekommen :) Inzwischen fragt mich schon oft jemand um Rat wie man gewissen Sachen kocht, das ist wirklich interessant wie sich das grade entwickelt :)
Abends bin ich mit ein paar anderen Freiwilligen nach Olivos gefahren, da wohnt ein älterer Herr mit seiner Frau, der aus Deutschland kommt und schon seit einigen Jahren Diskussionsrunden für Freiwillige anbietet. Über einen der Freiwilligen, die ich von der Capacitación kenne, ist da ein Kontakt enstanden, und dann waren wir am Samstag das erste Mal dort. Wir haben über Politik und Wirtschaft geredet, er hat uns einige Sachen erzählt und es war spannend, die Sichtweise eines Deutschen zu hören der seit 15 Jahren hier wohnt und auch Ahnung von der Politik hat - denn sich in die argentinische Politik einzulesen oder überhaupt rauszubekommen, welche Partei für was steht, ist eher schwierig. Besonders ohne Fernseher, denn hier läuft fast alles über Nachrichten weil Argentinien einfach eine Fernsehnation ist. Aber ich habe jetzt mit Zeitung lesen angefangen (der Herr hat uns auch Zeitungen empfohlen die nicht regierungstreu sind) und vielleicht kriege ich ja jetzt manche Sachen früher mit als es im Moment der Fall ist... Das Tolle an dem Abend war übrigens noch, dass wir ein richtiges deutsches Abendbrot bekomme haben: Dunkles Brot, Schinken und Käse. Zusammen mit der Einrichtung der Wohnung, dem großen Regal voller deutscher Bücher, hab ich mich fast wie in Deutschland gefühlt...
Ich habe dann zusammen mit Maria, einer lieben Mitfreiwilligen, eine Freiwilligen-WG gestürmt, die in der Nähe liegt, denn wir hätten sonst beide noch nachts zwei Stunden nach Hause fahren müssen. Zum Glück wurden wir freundlich aufgenommen und hatten so einen Schlafplatz für diese Nacht. Und es war toll, es war so idyllisch und ruhig... :) weil es halt nicht Capital ist, sondern ein Vorort. Aber ich hab sehr schlecht geschlafen, wahrscheinlich war es mir zu leise... :D

- Sonntag, 16.10.11: Día de la Madre in Argentinien. Als ich heimkam war es noch recht früh und als ich ganz leise die Tür aufmache, sitzt auf einmal jemand vor mir mit dem ich wirklich nicht gerechnet hatte. Wie sich herausstellte, hatten wir full house, weil sowohl Konrad als auch Carina Besuch hatten, und alle möglichen Schlafplätze waren belegt. Hat mir gut gefallen, wir haben dann zu sechst zusammen gefrühstückt und es war einfach was los bei uns :) Manchmal ist es mir nämlich zu leise in der Wohnung, klar ich komme aus einer fünfköpfigen Familie in der immer irgendwer Lärm macht ;)
Eigentlich wollte ich dann einen entspannten Tag einlegen und aufräumen, waschen, Blog schreiben... aber als einige der Truppe zum Puerto Madero aufbrechen wollten habe ich mich spontan entschieden noch mitzufahren. Und diese Entscheidung habe ich nicht bereut! Wir waren im museo del bicentenario (Museum zum 200-jährigen Jubiläum Argentiniens, das 2010 war) und danach in einem Park am Puerto Madero. Der Puerto Madero sieht (nach Aussage der Hamburger) aus wie die Speicherstadt oder Hafencity (ich zitiere hier nur, kein Anspruch auf Richtigkeit! ;) es ist auf jeden Fall echt schön da. Das Wetter war leider nicht so toll, es war diesig und bedeckt, kam wahrscheinlich von der Vulkanasche die der Wind von Chile zu uns rübergepustet hat. Trotzdem okay, um sich in einen Park zu setzen und entspannt Mate zu trinken. Wir wollten eigentlich noch überlegen, ob wir noch woanders hingehen, rumlaufen und uns mehr anschauen, aber im ersten Park waren Breakdancer und dort sind wir dann hängengeblieben. Mein Mitbewohner Konrad tanzt selbst und war gleich total in seinem Element, ist nach einigem Beobachten auch dazugegangen und hat gleich Kontakte geknüpft. Wir Mädels (wir waren zu dritt) saßen dann einfach stundenlang da und haben beim Tanzen zugeschaut. Das war so gigantisch, die waren so gut, ich bewundere das total. Und ich weiß auch dass ich mich niemals so bewegen können werde ;) Ich will auf jeden Fall bald wieder zuschauen. Konrad trainiert jetzt mit dieser Gruppe und kennt auch schon viele Leute, da ergibt sich bestimmt bald mal wieder eine Gelegenheit. Ich könnte da echt stundenlang zuschauen... jah weil wir da hängengeblieben sind haben wir eigentlich den ganzen Tag nichts gemacht, aber es war sehr toll :) So muss das sein. <3
Beim Heimweg bin ich dann über Plaza de Mayo gefahren und da war noch ein Riesenaufstand, lauter Leute mit Fahnen und T-Shirts und Plakaten... es war irgendeine Veranstaltung in Verbindung mit dem Peronismus, weil irgendein wichtiger Tag war... genau hab ich es noch nicht rausbekommen, auf jeden Fall war es politisch :D Ich bin dann noch kurz dageblieben und habe die Stimmung in mir aufgesaugt, das war wirklich gigantisch da. An diesem Abend war ich sehr sehr glücklich, ich weiß gar nicht wie man so ein großes Gefühl überhaupt in sich behalten kann. Trotzdem sind diese Tage auch die Zeiten, in denen ich am meisten vermisse, weil ich mir wünsche dass gewisse Menschen bei mir wären, damit ich dieses Gefühl und die Erlebnisse mit ihnen teilen kann. Wieder ein verrücktes Gefühl, traurig zu werden weil man so glücklich ist...

Hier noch ein paar Eindrücke aus dem Museum, sind auch die einzigen Bilder die es von mir von diesem Tag gibt weil mein Kameraakku leider am Nachmittag die Grätsche gemacht hat...








achja Männer in Uniform... :D


Das war diese Woche. Sie war vollgestopft und toll. :)

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