Mittwoch, 2. November 2011

und die kleinen Dinge.

Guten Morgen meine Lieben,

es ist kurz nach elf, ich habe einen entspannten Morgen verbracht, habe gelesen und auf dem Balkon in der Sonne gefrühstückt, und bevor ich mich jetzt dann auf den Weg in die Arbeit mache, gibt es da noch eine Sache, die ich gerne mit euch teilen würde.
Gestern habe ich im Kinderprogramm etwas erlebt, was ganz und gar nicht alltäglich war. Letzten Donnerstag habe ich in der Besprechung den Vorschlag eingebracht, in meiner Gruppe mit den Kleinen mit Kartoffelstempeln zu arbeiten. Meine Mama hat das früher ganz oft mit uns gemacht, für alle die das tatsächlich nicht kennen (ihr Armen ;) eine kurze Erklärung: Man halbiert Kartoffeln und schnitzt dann Figuren oder Bilder rein, was einem gerade einfällt. Das Ganze dann in Farbe getunkt und schon kann man ein Stempelbild machen. Wir haben damals (als ich noch ein kleines Mädchen war... ;D) mit dieser Technik ganz viele Tischdecken und ähnliches bestempelt. :)
Ich dachte mir das wäre mal was anderes. Der Vorschlag wurde auch angenommen, ich habe am Montag fleißig Stempel gemacht, was besser funktioniert hat als ich das angenommen hatte... habe mich auch nur fast richtig geschnitten, und das auch nur ein Mal :D Ich hatte dann ein Herz, eine Blume, eine Sonne, eine Wolke, einen Fisch, einen Jungen und ein Mädchen, einen Stern und ein Kreuz. Den ganzen Tag gestern war ich gespannt, wie die Aktion laufen würde, ob es den Mädels gefallen oder sie doch die Stempel beim ersten Versuch zerstören würden. Als ich ruhig angefangen habe, zu erklären was wir vorhaben, ist etwas passiert, womit ich niemals gerechnet hätte: Die Kinder wussten nicht, was Stempel sind.
Ich war erstmal ziemlich baff, nie im Leben hätte ich mir vorgestellt, dass die Kinder schlicht und einfach nicht wissen, was ein Stempel ist und was man damit machen kann. Da zeigt sich mal wieder, dass ich meine deutsche Sicht auf die Dinge und meine deutschen Ansprüche mitgebracht habe, denn mit Kindern in Deutschland wäre mir das sicher nicht passiert. Im Nachhinein kam ich mir ein bisschen blöd vor, dass ich an sowas nicht gedacht hatte, denn eigentlich ist es logisch: Woher sollen die Kinder auch Stempel kennen?
Gut, die Situation war dann anders als erwartet, aber dann habe ich eben erstmal erklärt, was ein Stempel ist und was man damit macht. Als sie einmal angefangen hatten, waren die Mädels auch echt begeistert und wollten immer mehr und mehr stempeln. Einige gingen etwas grob vor, weshalb zum Beispiel die Strahlen der Sonne sehr bald sehr zermatscht waren, aber dafür dass sie das erste Mal damit gearbeitet haben, ist es sehr gut gelaufen. Ich hab mich wirklich gefreut, dass ich den Kindern etwas neues zeigen konnte und sie dann auch Spaß daran hatten, das auszuprobieren! :)
Spannend wurde es nochmal, als die medianos, also die mittlere Gruppe (7-10 Jahre) gesehen hatten, was die Kleinen da machen, und wissen wollten, was das ist und ob sie das auch probieren dürfen. Also habe ich einem Kind nach dem anderen die Sache mit den Stempeln erklärt. Sie waren hellauf begeistert und wollten das selbst ausprobieren, da musste ich leider nein sagen weil sie ja selbst eine Aktivität gemacht haben. Ich habe dann stattdessen gesagt, dass sie ihre Gruppenleiter fragen sollen, ob sie auch mal stempeln können.

Ja, das war wirklich eine überraschende Wendung mit der ich nicht gerechnet habe. Aber es war sehr schön, die Begeisterung der Kinder zu sehen, und das mit einer Idee, die ich vorher noch für ziemlich normal und einfach gehalten habe. Es war eine kleine Sache, die mir Freude gemacht hat, die mir aber auch gezeigt hat, dass ich noch vorsichtiger sein muss mit meinen Ansichten und Erwartungen.

Na dann, ich werde mich mal fertigmachen und losgehen, meine Mitfreiwillige mag es nicht so wenn ich Zeit zu argentinisch auslege und zu spät komme, wenn wir uns zum gemeinsamen Fahren verabredet haben ;) (Katha, falls du das liest, ich schreibe es nur damit ich mich selbst noch mehr ermahne, pünktlicher zu sein!)
Nos vemos en un rato, Rebekka

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