Dienstag, 16. August 2011

Sodale.
Jetzt gibt es diesen kleinen Blog hier, aber ich hab so wenig Zeit, dass ich eigentlich nicht dazu komme hier was zu schreiben...
Heute ist Dienstag, und gerade ist es zehn nach elf. Heute morgen hatten wir Sprachkurs und haben zum ersten Mal seit wir da sind Hausaufgaben aufbekommen! Sofort fühle ich mich als wäre ich wieder in der Schule :D Naja aber das hier soll ja für das gesamte nächste Jahr was bringen, also mache ich mit so gut es möglich ist. Leider merke ich im Moment, dass mein Schlafdefizit doch größer ist als gedacht und eigentlich bin ich deshalb grade auch schon im Bett. ;) Heute Nacht sollte ich mal ein bisschen länger schlafen, es ist nur so blöd irgendwann einfach zu gehen wenn wir abends alle zusammensitzen. Mal sehen ob es heute was wird...

Nachmittags waren wir in der MEDH, im kirchlichen Büro für Menschenrechte in Buenos Aires. Dort haben wir uns mit Arturo getroffen, der schon letzte Woche einen Vortrag über die Geschichte Südamerikas bei uns gehalten hat. Heute ging es um die Verschwundenen in der Geschichte Argentiniens, dabei natürlich vor allem um die Militärdiktatur 1976-1983. Ich hab daheim schon viel darüber gelesen, aber hier zu sein und mit Menschen zu reden, die selbst unmittelbar von den Geschehnissen betroffen waren, deren Freunde und Verwandte verschwunden sind oder die selbst gefoltert wurden, ist nochmal etwas ganz anderes. Es macht die Sache viel realer.
Mich hat am meisten bewegt und beeindruckt, als Arturo uns die Geschichte von Elisabeth Käsemann erzählt hat. Das meiste wusste ich schon, schließlich ist sie die berühmteste deutsche Verschwundene, aber eines wusste ich nicht: Dass Elisabeth Käsemann in der ISEDET gewohnt hat, als sie nach Argentinien kam, genau hier, wo wir jetzt auch wohnen. Wenn ich mir das vorstelle, dass sie vielleicht an genau diesem Platz, an dem ich jetzt sitze, gewesen ist, wird mir ganz anders. Es macht mir bewusst, welches Glück ich habe, dass ich die Arbeit in einem sozialen Projekt hier machen kann, ohne deshalb negative Konsequenzen fürchten zu müssen.
(Wen es interessiert: Newsletter zum Fall Käsemann die erste Seite gleich, ist eine PDF-Datei und beleuchtet den Fall Käsemann.)

Auf dem Rückweg von der MEDH konnten wir nicht mit der Subte (so heißt die U-Bahn hier) fahren, weil die Strecke aus welchen Gründen auch immer gesperrt war. Deshalb haben wir einen Bus gesucht, der in die richtige Richtung fährt. Das Problem war: Wir waren dann um viertel sieben zur Stoßzeit unterwegs und alle Busse unserer Linie, die kamen, waren so voll dass immer nur ein paar Leute einsteigen konnten und die Schlange für den Bus wurde immer länger. Hier stellen sich übrigens alle ganz geordnet in eine Reihe, um in den Bus zu kommen, als wer zuerst da war kommt auch zuerst rein. Wenn man keine schöne Reihe macht, wissen die Argentinier nicht mehr, was los ist, und werden ganz aufgeregt, also kann man mit einer größeren Gruppe die Busfahrenden ganz schön durcheinander bringen... ;)
Aber das nur am Rande, das Ende von der Geschichte war dass wir fast eine Stunde auf den Bus warten mussten während es schweinekalt war und geregnet hat. Als wir endlich im Bus waren mussten wir "nur noch" eine dreiviertel Stunde stehen, um zur ISEDET zu kommen... eine Reise durch diese Stadt gleicht schon irgendwie immer einer halben Weltreise, zumindest als Europäer.

Als wir endlich im Haus waren, haben wir schnell was zu essen gemacht (Ofenkartoffeln mit Gemüse, jaaam :) und danach haben wir eine Tangotanzstunde gehabt. Zwei der Freiwilligen tanzen schon länger und haben uns den Tango Argentino beigebracht (ähem... bzw. es versucht). Leider war akuter Männermangel, weshalb ich meistens den männlichen Part tanzen musste. Vielleicht darf ich in der nächsten Stunde auch mal die Frauenschritte tanzen ;)

Das war's soweit von hier, bald mehr!
Rebekka



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